Zucht und Haltung von Computern – eine persönliche Homage an die eigenwilligste menschliche Erfindung seit dem Marmeladebrot!

 

Ich gebe es zu -Computer sind seltsam, und vielleicht für den einen oder anderen sogar etwas beängstigend.

 

Vielleicht, weil uns irgendwie immer bewusster wird, wie sehr sie unser Leben beeinflussen.

 

Damit meine ich nicht nur, dass sie unsere Daten enthalten und uns die Möglichkeit geben diese zu bearbeiten (und wir alle wissen auch, nicht nur dem, der glaubt sie gehörten ihm).

 

Sondern ich meine die Wirkung die sie ab und zu auf Menschen haben.
(Mich, ich gebe es offen zu, begeistern Sie seit ich zum ersten mal vor einem saß. O.K., es war kein Computer, es war Star-Invader in einer Disco, weil der Flipperkasten wieder mal belegt war).

Selbst wenn ich könnte, so will ich mir kein Leben ohne Computer vorstellen. (Und ich gehöre tatsächlich noch der Generation an, die ohne Computer oder Smartphone aufwachsen musste!   ABer wenn Sie glauben, sie könnten ohne Computer leben, dann gehen Sie mal ohne Versicherungskarte zum Arzt, schauen Sie mal in ein Büro, wenn das Netzwerk ausgefallen ist, oder versuchen Sie mal den Automaten ihnen ohne Karte Geld zu geben. Und nebenbei, was glauben Sie, was Ihr Smartphone ist?)

 

Aber ich bemerke immer wieder, dass sie manchen Leuten einen gehörigen Respekt einjagen, um nicht zu sagen Angst.

 

 Angst von der Sorte: „Wenn ich den falschen Knopf drücke, dann wird er explodieren“

 

(Ich gestehe, ich habe schon Computer erlebt, die in Flammen aufgingen – manche mit lautem Knall und einer richtigen Stichflamme, die den Bart eines Mitarbeiters ansengten. Und andere, die mit einem leisem „Puff“ ein kleines Flämmchen ausstießen um dann sofort ins Koma zu fallen. Aber ich kann sie beruhigen, so was passiert nur sehr selten. Man muss schon mit einer Menge Computer zu tun gehabt haben, um so was zu erleben, und zumeist tun sie so schreckliche Sachen nur, wenn man sie über die Maßen beansprucht. Also praktisch nie bei Anfängern oder Leuten, die „normal“ mit ihnen arbeiten.)

Aber trotzdem, manchmal wirken sie wie feinfühlige Wesen mit eigenem Willen. Man könnte mitunter sogar den Eindruck gewinnen, sie würden bocken, zicken und wären je nach Betriebssystem und Modell, geradezu boshaft.

 

 Aber keine Angst, dass kann man technisch erklären. (Wenn man nur richtig will, kann man praktisch alles technisch erklären!)

 

 Computer sind hochtechnische Maschinen. Schon allein der Prozessor, ein kaum 3 Zentimeter großes Quadrat aus Halbleitermaterial, im Smartphone sogar noch erheblich kleiner, bildet meist das Herzstück, das eigentliche Gehirn, das auf einer meist relativ großen, aber immer unheimlich komplizierten Platine von kaum 1 Millimeter Dicke platziert ist.

 

Würde man ihn öffnen, (Ich muss mal kurz darauf hinweisen, wenn ein Laie einen Computer öffnet hat meist nur einer ein Problem, nämlich der Computer. Meiner zum Beispiel wurde seit Jahren nicht mehr zugeschraubt und trotzdem haben wir nach wie vor ein gutes Verhältnis. Ganz anders würde dass bei meiner Microwelle aussehen – vor der hätte ich in diesem Falle wirklich Schiss!)

 

 Aber noch einmal, würden sie denken, sie hätten einen Grund ihn zu öffnen, so würden Sie viele Kabel und viele verwirrenden Bauteile sehen. Allesamt zart, klein und empfindlich.

So ist es nicht wirklich verwunderlich, dass ein Computer auf alles Mögliche reagiert und im Grunde seines Herzens sensibel und feinfühlig ist.

  •  So reagiert er zum Beispiel auf Temperatur- und Druckschwankungen weil  ein Gewitter aufzieht. Wenn es im Innenraum zu heiß wird, zum Beispiel weil die Raumtemperatur zu hoch ist, oder die Lüfter verschmutzt sind,  bekommt er sprichwörtlich Fieber und funktionieren nicht mehr richtig, falls er nicht sogar in eine Art Delirium fällt.
  • Ab und zu stehen sie auch nur zu nahe an einer Steckdose, und reagieren auf Spannung.
  • Im „Worst Case“ kann es sogar passieren, das das Internet nicht funktioniert. (Achtung, bevor Sie sich doch entschließen ihn auseinander zu nehmen, rufen Sie doch erst mal beim Dienstanbieter an, vielleicht liegts ja an der Leitung?)
  • ab und zu gefriert einfach so das Bild und nicht einmal der Mauszeiger lässt sich mehr bewegen. (So was kann zum Beispiel passieren, wenn sie wie wild auf der Tastatur oder der Maus rumdrücken – dann weis er ab und zu einfach nicht mehr, was er zuerst tun soll, und tut das einzig Vernünftige – nämlich gar nichts mehr.)
  • Ab und zu kommt es auch vor, dass man einen Knopf drückt, genauso wie man es gelernt hat – und er tut entweder gar nichts, oder etwas völlig Unerwartetes.

Aber ein paar Sachen wir er bestimmt nicht machen!

 

Er wird NICHT einfach so explodieren und er wird Sie NICHT beißen.

 

Aber trotz dieses Wissens, er ist durchaus in der Lage sie in den Wahnsinn zu treiben.

Es gibt offizielle Statistiken darüber, wie oft Gewalt gegen Computer ausgeübt wird. Besonders die Tastaturen haben darunter zu leiden, aber auch hin und wieder der eine oder andere Bildschirm. (Und auch hier muss ich wieder mal betonen, Gewalt ist keine Lösung, egal wie sehr er sie gerade wieder enttäuscht hat! Glauben Sie mir, auch das verstehe ich aus ganzem Herzen!)

 

Wenn man ihn hingegen mit etwas Respekt und Geduld behandelt, kann er andererseits ein tiefes Gefühl der Zufriedenheit hervorrufen! Er kann ihnen auch ungeahnte Erfolgserlebnisse bescheren, Ihre Kreativität hervor locken, Ihnen als treuer Freund die Zeit vertreiben, viel Freude bereiten, und, je nach Charakter des Nutzers, Sie eventuell dazu bringen, Dinge zu kaufen die sie nie und nimmer haben wollten, und schon gar nicht so teuer!

 

Aber gehen wir mal davon aus, sie berücksichtigen ein paar einfache Grundregeln.

  • Setzen Sie sich, zumindest nicht als Anfänger, vor das Gerät wenn sie nervös sind. Wie auf eine Steckdose, so scheinen Computer wie durch Zauberhand auch auf menschliche Schwingungen reagieren. Aus mir unerklärlichen Gründen wirkt es so, als würden die Computer meiner Teilnehmer eigensinniger reagieren, wenn die Person, die sie bedienen möchte, nervös oder ängstlich ist.
  • Auch auf ein anderes Phänomen will ich Sie hinweisen!  Meine lieben Leser, dieser kleine Nager, diese Maus! Glauben Sie mir, die beißt nicht! Sie ist nur eine technische Erweiterung – es gibt überhaupt keinen Grund sie mit spitzen Fingern anzufassen.
    Im Gegenteil, sie sparen sich viel Ärger, wenn sie die Maus fest im Griff haben, und die Finger auf die dafür vorgesehenen Tasten legen. Im Optimal-Fall sollte sie sich sogar ergonomisch in die Handfläche einfügen und dem sanften Druck der locker auf ihr gelegten Hand folgen. Glauben sie mir, das spart viele graue Haare! (Ich muss das wissen, ich habe eine Menge davon!)
  • Aber bedenken Sie auch, die Maus muss ihren Befehlen gehorchen, denn Mäuse neigen dazu, sich sobald sie eine Hand auf sich spüren, auszubüchsen. Wer einmal mehrere Stunden mit gestrecktem Arm seine immer weiter flüchtende Maus zu halten versuchte, der weiß, was Kopf- und Nackenschmerzen sind! (Also, vertrauen Sie mir einfach! Um eine Maus zu führen brauchen sie nicht mehr Platz, als sie ohne Verrenkungen mit dem Handgelenk bewerkstelligen können.)
  • Ein weiteres Problemchen stellen auch immer größer werdende Bildschirme dar. Mal ganz ehrlich! Würden sie sich wirklich 30 cm vor dem Fernseher platzieren und sich dann wundern warum die Augen irgendwann schmerzen und brennen? Wenn sie das, was auf dem Bildschirm zu sehen sein sollte, nicht erkennen, so verrate ich Ihnen jetzt einen Trick!

    Wenn sie die STRG-Taste (die heißt Steuerung, Egal was der Enkel sagt, nicht String! String bedeutet Schnur, je nach Lektüre, eventuell auch mal Tanga!) halten, und das Mausrad von sich weg drehen, wird das Bild näher heran gezoomt und somit größer! (Auch das weiß ich sicher, meine Brille ist so stark, mich kann man ohne nicht mal auf die Straße lassen!)
  • Besonders ärgerlich ist es auch, wenn man „Ihm“ nun schon zum 5ten Mal sagt, er soll etwas tun, und er will nicht. Das liegt vielleicht daran, dass sie einen winzig kleinen Schritt von vielen vergessen haben. (Stellen sie sich vor, sie würden Tango tanzen, und in dem Moment besonderer Perfektion, in dem Sie ihre Partnerin in die Lüfte schwingen wollen, vergessen, dass sie, sie danach auch noch fest halten sollten!) Nein, im Ernst. Vieles von dem, das so einfach aussieht ist lediglich eine Folge von aufeinander folgenden Befehlen. Und die lernt man. Ist fasst wie Radfahren, nur nicht so gefährlich! Wenn Sie auch nur einen vergessen, wird er sie womöglich schon wieder mit Nichtbeachtung strafen.
  • Und dann gibt es noch etwas wie Murphis Gesetz. (Was schief gehen kann, wird auch schiefen). Das kommt vor allem beim Gebrauch von Druckern zu tragen, beherrscht er aber auch zur Not vollkommen selbstständig.

Ein Beispiel:

Es eilt. Der Kunde wollte nur schnell etwas abholen, und sie versuchen zu drucken.
Dann kann es passieren, dass der Drucker nicht eingeschaltet ist.
Na ja, gleich erledigt.
Aber dann stellen sie fest, dass der Drucker nicht gewillt ist, sich mit dem W-Lan zu verbinden. O.k., auch kein großes Problem, Einschalten, ausschalten und schon geht’s wieder.
Sie setzen sich gemütlich hin und wollen nun endlich dem eiligem Kunden sein Dokument übergeben.
Ah, eine Fehlermeldung erscheint. „Kein Papier mehr!"
Also, noch mal aufstehen und den Drucker mit Papier füttern. (Ich hoffe, sie haben nicht vergessen Neues zu kaufen?)
Da, endlich, er beginnt zu rattern. Sie lehnen sich siegessicher zurück – doch zu früh gefreut, wieder eine Fehlermeldung! "Druckerpatrone Leer!"
Oha, denken Sie, das haben wir gleich! Vertrauensvoll wechseln sie die Patrone, und das unvermeidliche geschieht!
Der Drucker geht in den Selbsttest und druckt mehrere Seiten voll wertvoller Tinte, um zu beweisen, dass nun wirklich alles klappt.
Und wenn Sie Glück haben, tut es dass nun auch, gesetzt den Fall, die Justierung passt und der Druckkopf ist nicht verschmutzt.
(Ich denke, Sie wissen nun was ich meine. Auch hier kann ich auf einen reichen Erfahrungsschatz zurück greifen!)

 

Und darum nun mein erster, wertvoller Rat!

  • Wenn sie ein wichtiges Dokument drucken, dann nur, wenn es noch nicht eilt! Planen Sie Zeit ein, in den meisten Fällen funktioniert dann alles problemlos.
  • Noch ein Tipp, gerade für Anfänger!
    Der Computer ist eine Maschine! Er kann, selbst wenn er will, nicht so ohne weiteres Entscheidungen treffen! Sie müssen ihm stets sagen, was sie wollen, sonst wird er machen, was er will.
  • An manchen Tagen wird dies aber nicht reichen! Ganz egal, was sie tun, er wird ihnen nicht das gewünschte Ergebnis bringen. Hier hilft nur eines! Speichern Sie und schalten sie ihn dann aus!

    Machen Sie irgend Etwas anderes!

    Lassen sie ihn links liegen! Trinken Sie eine Tasse Kaffee, telefonieren sie ein paar Minuten, entziehen Sie ihm für eine Weile gänzlich Ihre Aufmerksamkeit! Sie werden sehen, kaum haben Sie sich beruhigt, ist er wieder zahm wie ein Lämchen.
  • Und noch etwas, das sie nie vergessen sollten! Computer können auch erkranken! Sie können sich im wahrsten Sinne des Wortes Viren einfangen! Er braucht regelmäßig seine Schutzimpfung! Sie würden doch auch nicht ungeimpft in die Tropen fahren, oder?
    Also, gönnen Sie ihm so früh wie möglich einen Virenscanner! Der musss auch nichts kosten, zumindest wenn Sie Privatmensch sind.Glauben Sie mir, gegen das Internet sind die Tropen wie ein gut gepflegter Stadtpark! Man kann sich darin verirren und man sollte potentielle Gefahren erkenne und frühzeitig meiden. (Keine Angst, so wild ist es gar nicht, es gibt wie im Straßenverkehr Grundregeln. Wenn man diese beachtet ist alles halb so schlimm! Aber andererseits, würden Sie sich wirklich ohne Führerschein in einen 30-Tonner setzen und zu steuern versuchen?)
  • Ein weit verbreiteter Irrtum ist auch, dass Computer so schnell sind. Das scheint nur am Anfang, im schlimmsten Fall die ersten paar Wochen so. Aber spätestens wenn Sie die Grundlagen beherrschen, werden Sie merken, dass Sie auf ihn ebenso lange warten, wie auf Ihre Gattin wenn Sie sich vor dem geplanten Opernbesuch nur noch kurz ein Restaurationsprogramm mit allem Drum und Dran gönnt. (Vertrauen Sie mir! Ich habe mein ganzes Leben noch nie so lange auf einen Mann gewartet, wie vor Computern!)
  • Und seien Sie so nett, ihm auch seine Updates zu gönnen. Für den Computer sind diese Updates so wichtig wie Sonnenschutz und Tropenkleidung für einen blassen Engländer der im Amazonas spazieren geht! (Und nein, Updates schaden ihm nie! Wenn schon, dann schadet ihm vielleicht das Programm, dass dieses Update verlangt, aber in diesem Fall hat er sich vielleicht ohnehin schon was eingefangen.)
  • Und noch ein Hinweis! Öffnen Sie nicht jede Mail! Ab und zu sind da „Würmer“ drin. (Nein, die krabbeln dann nicht auf der Platine rum, aber sie werden sich durch Ihre Dateien fressen und wenn Sie viel Pech haben, die Bilder, die Ihr pubertierender Sohn gestern heimlich gespeichert hat ohne Ihr Wissen an alle möglichen Leute schicken. Man, das Gesicht des Chefs am nächsten Morgen wollen Sie bestimmt nicht sehen!)

Hört sich alles schrecklich an? Sie werden sich nie mit dieser Technik anfreunden und sie brauchen sie auch überhaupt gar nicht! Ehrlich? (Sagen Sie mal, haben Sie ihre Kinder vermisst, bevor Sie sie hatten?)

 

Nein es ist  nicht schrecklich! Nicht, wenn Sie Ihren Computer mit Respekt, etwas Fachwissen und Freude bedienen. Dann werden Sie feststellen, er bereitet fasst ebenso viel Freude wie ein Haustier. (Und sie müssen nicht mal eine kleine schwarze Plastiktüte mitnehmen, wenn Sie ins Internet gehen!).

Allerdings muss ich Ihnen auch sagen, dass seine Lebenserwartung kaum höher ist, als die einer Zuchtratte. Also circa 3 Jahre. Dann sollten Sie ihm entweder ein paar neue Prothesen gönnen (eine neue Festplatte, ein neues Laufwerk, ein neuer Prozessor, oder sich selbst eine ergonomische Maus), oder sie müssen den Schmerz der langsamen Trennung ertragen.

Und glauben Sie mir, (denn auch das muss ich wissen), der Schmerz ist fasst ebenso groß!


Denn im Laufe der Zeit beginnt man, ob man will oder nicht, mit Ihm zu sprechen, ihn zu schimpfen (selbst meine Mutter macht das ab und zu, und die ist nun schon wirklich alt), oder, wenn man befürchtet, ihm könnte etwas fehlen, zärtlich und besorgt über den Bildschirm zu streichen.

 

Noch Fragen?

 

Sie wissen ja, wie sie mich erreichen!