· 

Der gleiche Trick seit 2000 Jahren: Wie Eroberer zu Helden wurden – und was das mit Social Media zu tun hat.

Desinformation ist kein neues Phänomen, sondern so alt wie die Menschheit selbst. Die "Sieger schreiben Geschichte" war sozusagendie Original-Desinformation. 

 

Historische Parallelen: 

 

Wie Eroberer zu "Helden" wurden. 

 

Alexander, Caesar, Napoleon, ihnen alles ist eines gemeinsam. Sie gingen als Kriegshelden und Eroberer in die Geschichte ein. 

 

Alle drei waren herausragende Militärführer und Eroberer, die große Gebiete eroberten und dadurch ihre Zeitgeschichte massiv prägten. 

 

Jeder von ihnen stieg vom Heerführer zum faktischen Alleinherrscher (König, Diktator oder Kaiser) auf und veränderte politische Strukturen in ihren Reichen. 

 

Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals gehört hätte, das irgendwer gefragt hätte, ob denn das wirklich alles nötig warum der Bevölkerung das Leben zu verbessern und erleichtern? Darum stelle jetzt ich diese Frage: 

 

War das wirklich nötig? 

 

Die kurze Antwort lautet: 

 

Nein, zwingend nötig war es meist nicht. Es hatte noch nicht mal immer mit dem Volk zu tun. Warum also wurden diese Kriege geführt und wie war das möglich. 

 

Lasst uns das mal einzeln betrachten: 

 

Alexander der Große (Makedonien, 4. Jh. v. Chr.) 

 

Alexander wollte ursprünglich nur Rache an Persien nehmen (für frühere Angriffe auf Griechenland) und das Reich seines Vaters Philipp II. sichern. Dann aber sah er sich als „Vereiniger der Welt“, als göttlich Auserwählter, um Kulturen zu verschmelzen. 

 

Makedonien war stabil. Die Eroberung brachte aber Reichtum, Ruhm und Zugang zu Handelsrouten. Vor allem aber erfüllte er Alexanders persönlichen Traum von Größe. (Julius Cäsar (Rom, 1. Jh. v. Chr.) 

 

Warum er eroberte:

 

Für Rom war Expansion ein politisches System. Neue Provinzen bedeuteten Steuereinnahmen, Land für Veteranen und Beute. 

 

Für Cäsar persönlich war der Gallische Krieg ein Mittel, Macht und Ansehen zu gewinnen, um politisch in Rom aufzusteigen. 

 

Rom war schon mächtig. Aber ohne Eroberungen wäre die Elite unruhig geworden, und Cäsar hätte nie die Macht zur Alleinherrschaft erhalten. 

 

Napoleon Bonaparte (Frankreich, 19. Jh.) 

 

Warum er eroberte: 

 

Anfangs wollte er die Ideen der Französischen Revolution (Freiheit, Gleichheit, Gesetz) verbreiten und Europa nach rationalen Prinzipien ordnen. 

 

Doch erst selbst an die Macht gekommen, änderte sich das schnell.  Machtpolitik, der Wunsch die Kontrolle über Europa zu erlangen und sich als Emporkömmling vor den Angriffen des alten Adels zu schützen und noch mehr Reichtum und Ressourcen zu erlangen. 

 

Das gemeinsames Muster: 

 

Alle drei glaubten, sie müssten handeln, um ihre Vision oder ihr Reich zu sichern, doch hinter diesem „Zwang“ stand meist Ehrgeiz, Ruhmverlangen und die Idee, Geschichte lenken zu dürfen. 

 

Jeder dieser Männer ging als Kriegsherr, als Held in die Geschichte ein! Doch ich möchte nicht ihr strategisches Talent rühmen. Kaum jemand wird heute ohne Stocken den Gedanken Äußern, dass die besiegten Völker diese Eroberungen als Massenmord interpretierten?

 

In vielen Kulturen gilt auch heute noch Expansion als Zeichen von Stärke. Herrscher sichern sich durch den Ausnahmezustand die Macht. 

 

Denn keiner dieser Männer für sich alleine hätte ein Reich erobern können. 

 

Jeder von ihnen brauchten Menschen, die glaubten, dass ihr Tun "gerecht, sinnvoll oder göttlich gewollt" war. 

 

Also mussten sie ihnen Geschichten erzählen. Mächtige, verführerische Geschichten. 

 

Lasst uns diese Geschichten mal genauer ansehen und überlegen, wie diese Männer es fertig brachten, daß ihre Bürger ihre Familien verließen um für einen Feldherrn in den Tod zu ziehen. 

 

Alexander der Große gab vor, er bringe Zivilisation und Kultur zu den „Barbaren“. Die Griechen, die mordend und zerstörend bis nach Persien zogen, glaubten, oder redeten sich ein, sie verbreiten Bildung, Kunst und göttliche Ordnung. 

 

Ob die Barbaren die Gaben die dem großen Krieger genehm schienen, erwünscht waren, wage ich zu bezweifeln. Es ist überliefert, dass seine erschöpften Männer sogar umkehren wollten. Sie glaubten nicht mehr an die Mission: "Licht in die Welt tragen", sondern erkannten es nur noch als Propaganda-Gegenstück zur Realität (Mord und Zerstörung). 

 

Er bediente sich eines Tricks, dessen sich Herrscher noch heute nützen. 

 

Er machte den Griechen weiß: 

 

„Wir sind die Auserwählten, die das Licht in die Welt tragen.“ 

 

Seine Soldaten sahen sich als Träger einer Mission, nicht nur als Kämpfer. So marschierten sie für Alexaders Traum tausende Kilometer weit in den Tod. 

 

Julius Cäsar 

 

Er bediente sich anderer Narrative um an die Herrschaft zu gelangen: 

 

Er erzählte, er kämpfe für die Sicherheit Roms und zur Verteidigung gegen wilde Gallier. 

 

In Wirklichkeit griff er zuerst an. Die Römer aber glaubten:

 

„Cäsar schützt uns. Er bringt Frieden durch Stärke.“ (Ah, erinnert euch das nicht auch ein wenig an "seit 5 Uhr wird zurückgeschossen?") 

 

Auch hier wurde mit Stolz und Angst gearbeitet.

 

„Wenn wir nicht erobern, werden wir erobert.“ 

 

Dadurch wurde der Krieg zur patriotischen Pflicht, zur Ehre Roms, und Cäsar zur Verkörperung römischer Größe. 

 

Napoleon Bonaparte 

 

Er behauptete, er führe Europa in die Freiheit. "Gegen Tyrannen und Könige". 

 

Seine Armeen glaubten, sie verbreiten die Rechte des Menschen und die Gleichheit. In Wirklichkeit brachten diese Feldzüge Leid und Tod. 

 

Aber Idealismus, Stolz, Fortschrittsglaube und die Angst, sollten sie nicht kämpfen, würde wieder ein Diktator über das Reich herrschen, ließ die Menschen trotz beginnender Aufklärung übersehen, dass auch Napoleon ein Monarch, ein Alleinherrscher war, der tausende in den Tod führte. 

 

Wie wir an diesen wenigen Beispielen sehen, gelingt es seit Jahrtausenden Herrschern das Volk davon zu überzeugen, dass es Sinn macht, im Interesse weniger viele in den Tod gingen. 

 

Alle drei nutzten die magische Dreierformel der Macht:   

  • Ein höherer Sinn (Gott, Frieden, Freiheit, Zivilisation)
  • Ein Feindbild (Barbaren, Verräter, Tyrannen)
  • Einen Held (sie selbst – als Retter der Ordnung) 

Damit wurde Expansion zum moralischen Auftrag.

 

Die Menschen glaubten, sie kämpften nicht für Macht – sondern für das Gute selbst. 

 

Propaganda in verschiedenen Epochen 

 

(Wie sich Geschichten – die einmal Macht dienten – über Jahrhunderte in das Denken der Menschen eingraben.) 

 

Narrative beginnen als einfache Erzählungen 

 

Am Anfang steht meist eine propagandistische Geschichte: 

 

 „Wir kämpfen für Freiheit!“

  •  „Unser Führer ist von den Göttern gesandt!“
  •  „Wir bringen Ordnung und Zivilisation!“ 

Solche Sätze binden Emotionen. Stolz, Angst, Hoffnung, und werden dadurch leicht erinnerbar und wiederholbar.

 

Sie werden von Nachrichten zu Mythen. 

 

Die Erzählung wird in Kunst, Bildung und Religion eingewoben 

 

Nach der Tat (z. B. Eroberung) sorgen Kunst, Rituale, Feste und Unterricht dafür, dass der Mythos zur „Wahrheit“ wird:  

  • In Rom las man Cäsars Commentarii in der Schule. 
  • Alexanders Bild wurde in Tempeln verehrt. 
  • Napoleon bekam Denkmäler, Lieder, Schultexte.  

So entsteht das, was Historiker „institutionalisierte Erinnerung“ nennen die Geschichte wird Teil der Kultur, nicht mehr bloß erzählt, sondern geglaubt.

  

Generationen wachsen mit diesen Bildern auf 

 

Nach 100, 200 Jahren fragt kaum jemand mehr, ob das stimmt.  

 

Die Menschen übernehmen die alten Erzählungen, weil sie in Sprache, Symbolen und Traditionen weiterleben:   

  • „Zivilisation bringen“ wurde zur Rechtfertigung für Kolonialismus. 
  • „Ordnung schaffen“ legitimierte Kaiserreiche und Diktaturen. 
  • „Freiheit verteidigen“ dient bis heute, um Kriege moralisch zu rahmen.  

Das alte Muster bleibt, nur die Begriffe ändern sich. 

 

Narrative verwandeln sich, aber sterben nur selten 

 

Ein altes Narrativ kann „neue Kleider“ bekommen, je nach Zeitgeist:  

  • Alexanders „Vereinigung der Welt“ → später: „Globalisierung“ oder „Weltordnung“
  •  Cäsars „Pax Romana“ → später: „Weltfrieden durch Stärke“
  •  Napoleons „Freiheit für Europa“ → später: „Demokratieexport“ 

Das Muster bleibt identisch: 

 

„Wir tun Gewalt, aber aus edlem Grund.“ 

 

Deshalb sind alte Narrative so zäh – sie sprechen archetypische Gefühle an: 

 

Schutz, Zugehörigkeit, Sinn, Rettung. 

 

Wie sie verfestigt bleiben 

 

Wenn ein Narrativ emotionale Sicherheit gibt,

 

wird es unbewusst verteidigt, selbst wenn Fakten es widerlegen. 

 

Beispiele:  

  • Der römische „Friedensbringer“ bleibt ein Heldenbild, obwohl Rom viele Völker vernichtete.
  •  Napoleon gilt als Genie, nicht als Diktator – weil das Bild des „großen Mannes“ so tief verankert ist.
  •  „Fortschritt durch Eroberung“ klingt modern – ist aber uralt. 

Mythen sterben nicht – sie verwandeln sich in Schulwissen. 

 

Der Fall wirft Fragen auf: Wer entscheidet eigentlich, was als „Desinformation“ gilt? 

 

Doch wer gibt uns heute vor, was wir zu glauben haben? Wer steuert und profitiert? 

 

Gleiche Mechanismen, neue Tools 

 

Wie wird politische Kommunikation reguliert? 

 

Wer nimmt darauf Einfluss?  

  • Tech-Giganten, 
  • Regierungen, 
  • Influencer,
  • Presse,
  •  Politik,
  •  Religion,
  •  Handel und Wirtschaft durch Werbung  

Der einzige Weg, sich aus der Macht der Narrative zu lösen 

 

Ein Narrativ verliert erst seine Macht, wenn man es bewusst durchschaut. 

 

Wenn Menschen fragen:  

  • „Wem nützt diese Geschichte?“
  •  „Was rechtfertigt sie – und was verschweigt sie?“, dann verwandelt sich der Mythos zurück in Geschichte.
  •  und der Mensch kann wieder Freiheit über sein Denken gewinnen.  

Der Gewinner schreibt Geschichte 

 

Früher brauchte es Generationen, heute geht's in Minuten 

 

Bis zum Ende des letzten Jahrhunderts mussten Mächtige Geschichtsbücher umschreiben. Doch mit zunehmender Digitalisierung änderte sich das. Beschleunigte sich die Informationsverbreitung rassant. Heute gehen Deepfakes über Social Media in kürzester Zeit viral.  

 

Wie viel von dem, was wir heute glauben, ist bereits gefiltert/manipuliert? 

 

Zunehmend beginnen Menschen zu zweifeln und fragen sich: 

 

 „Was kann ich noch glauben?“ 

 

Nicht für jeden ist es selbstverständlich unterschiedliche Datenquellen zur Prüfung heran zu ziehen. Bei andere sind Redewendungen und traditionelle Werte so gefestigt, das ein zur Frage stellen nicht einmal in Erwägung gezogen wird. Nicht weil wir es immer prinzipiell ablehnen würden, unsere Meinung zu hinterfragen, sondern weil es uns schlichtweg nicht auffällt! 

 

Unterschiedliche Meinungen wird es immer geben, und das ist auch gut so! Die Stärke der menschlichen Gesellschaft basiert auf ihrer Vielfallt und Anpassungsfähigkeit.

 

Gerade darum ist in einer modernen Gesellschaft Zusammenhalt und Toleranz in hohem Maße unabdingbar. 

 

Dadurch das sich das Verhalten zwischen den verschiedenen Gesellschaftsschichten teilweise gravierend unterscheidet, kommt es zu Fehlannahmen. Durch geschickte Medienstreuung lassen sich sehr leicht, mittels eingängiger Narrativen, Fehlannahmen verankern.

 

Gegenseitig weißen wir uns Gier, Faulheit, Gefühllosigkeit oder Unehrlichkeit zu und vergessen dabei immer wieder, dass wir alle, egal welcher Herkunft oder welchen "Standes", wir alle Menschen mit Anspruch auf Toleranz und Würde sind. 

 

Machtspiele beschneiden nie nur die Rechte einer Person, sondern auf lange Sicht auch immer die eigenen. 

 

Heute beschwert sich ein Nachbar darüber das der Nachbar auf dem Balkon grillt. Morgen darf niemand mehr suf dem Balkon grillen. 

 

Fest steht, je ungebildeter, unsicherer, der Verängstigte, desto aggressiver wird ein Konflikt, desto schwerer wird es, ohne Vermittler einen gemeinsamen Konsens zu finden.

  

In einer Zeit und der jederzeit jede nur erdenkliche Information zur Verfügung steht, sollte es uns als Menschheit doch möglich sein, Hintergründe zu erfragen und durch Wissen Toleranz zu erwerben. 

 

Vielleicht gelingt es uns irgendwann, gemeinsam Narrative zu hinterfragen bevor sie Schaden anrichten können. 

 

Denn ich bin mir sicher, es liegt nicht an unserer Intelligenz, sondern oft am eigenen Selbstvertrauen, wenn wir ungeprüft glauben. Doch dazu sind wir zu clever! 

 

Macht Technologie es einfacher ODER schwieriger, die "Wahrheit" zu finden? Die Antwort darauf liegt, wie schon bei Alexander und Cäsar, nicht in der Waffe, sondern in der Frage, die wir bereit sind zu stellen. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0