Jeder weiß, der Mensch arbeitet um zu überleben.
Genau so würden wir es einem Außerirdischen erklären, und er würde uns mit großen Augen ansehen.
Das Alien würde hinterfragen:
"Mal ganz, ganz ehrlich, ist das der einzige Grund warum ihr euch diesen artfremden Stress einlasst? Immerhin, mit dieser Beschäftigung gebt ihr die einzige Ressource die ihr nicht im Überfluss habt, aus den Händen. Eure Lebenszeit!"
Erbost würden wir die Hände heben und abwehren!
"Nein! Nein! So ist das nicht! Wir arbeiten nicht nur um zu überleben! Arbeit bedeutet so viel mehr!"
Und nun kommt der Punkt, an dem wir uns selbst hinterfragen müssten.
"Tja, warum arbeiten wir denn dann, wenn es nicht nur um Überleben geht"
Warum arbeitet der Mensch?
Es ist ein Dilemma, aber der normale, gesunde, evolutionsgewollte Homo Sapiens ist ein hoch soziales Wesen. Das ist keine Entscheidung, sondern genetischer Code.
Seit Jahrtausenden bedeutet gesellschaftlicher Ausschluss und Verbannung den Tod. Nur wer in seiner sozialen Gruppe sicher sein kann, das ihm im Notfall, bei Unfall, Leid oder einem anderem Unglück, Sicherheit und Unterstützung sicher ist, kann sich auf höhere Lebensqualität konzentrieren.
Darum ist es dem Menschen ein natürliches Bedürfnis, in einer sozialen Gruppe anerkannt zu sein.
Das führte zu, sagen wir mal erstaunlichen Effekten.
Menschen freuen sich, wenn sie Kompetenz zeigen können und erklären darum gerne Fakten zu ihrem Fachgebiet. Oder einfacher:
- Menschen geben in der Regel gerne Auskunft.
- Menschen wollen Gefallen zurückgeben. Sie wollen Ausgleich schaffen ohne nachrechnen zu müssen.
- Sie wollen ein unverzichtbarer Teil einer Gemeinschaft sein und spezialisieren sich darum.
- Menschen lieben es koordiniert zusammenzuarbeiten.
Es macht Menschen nachweislich körperlich und seelisch krank, langfristig nicht beachtet und gebraucht zu werden.
Die Forschung von René Spitz
Der österreichisch-amerikanische Psychoanalytiker René Spitz (1887–1974) hat in den 1940er Jahren mit seinen Studien in nordamerikanischen Waisenhäusern das Krankheitsbild des Hospitalismus umfassend beschrieben.
Er stellte fest, dass Säuglinge, die zwar ausreichend ernährt und hygienisch versorgt wurden, aber keine konstante, liebevolle Bezugsperson und kaum sensorische Stimulation erhielten, schwere Entwicklungsstörungen entwickelten.
Folgen bei Erwachsenen:
Bei Erwachsenen führt die soziale Isolation durch Arbeitslosigkeit dazu, dass sie depressiv werden und ihr Drogenkonsum (Kaffee, Zigaretten, Alkohol), steigt.
Was gibt uns Arbeit, das wertvoller ist, als auszuschlafen?
Das Glück des "Flow":
Der Psychologe Mihály Csíkszentmihályi beschrieb den Zustand des "Flow", das völlige Aufgehen in einer Tätigkeit.
Arbeit bietet ideale Bedingungen für Flow, wenn sie herausfordernd, aber nicht überfordernd ist. Dieser Zustand ist zutiefst erfüllend.
Wenn Menschen glauben, nicht zu arbeiten mache glücklich, verwechseln sie oft die kurzfristige Entlastung (Erholung) mit der langfristigen Erfüllung (Sinn/Kompetenz).
Arbeit gibt uns:
- Anerkennung unserer sozialen Gruppe
- Einkünfte die uns soziale Teilhabe sichern.
- Die Illusion finanzieller Sicherheit
- Ein Team in dem wir integriert sind
- Tagesstruktur
- Das Gefühl der Gemeinschaft etwas zurückzugeben
Zusammengefasst:
Arbeit ermöglicht uns Teilhabe und die Möglichkeit zu einem Menschenwürdigem Leben.
Die Maslow-Pyramide als einfachste Erklärung:
Nach Maslow dient die Arbeit dabei als zentraler Mechanismus zur Erfüllung der menschlichen Bedürfnisse, weit über das reine Überleben hinaus.
Die Arbeit sichert uns nicht nur die Befriedigung unserer Grundbedürfnisse (Essen, Wohnen) und der Sicherheit (Einkommen, Struktur), sondern ermöglicht erst das Erreichen der höheren Stufen.
Nach der berühmten Bedürfnishierarchie von Abraham Maslow sind diese weiteren, höheren Bedürfnisse die nach Zugehörigkeit, Wertschätzung (Anerkennung, Kompetenz zeigen) und schließlich der Selbstverwirklichung (Spezialisierung, sinnvolle Tätigkeit).
Wieso glauben dann noch immer Menschen, es mache glücklich nicht zu arbeiten?
Dies scheint mir ein politisches Narrativ zu sein. Wie oben belegt will ein körperlich und geistig gesunder Mensch arbeiten! Wer nicht will, kann zumeist nicht. Nicht nur aus gesundheitlichen, sondern vielleicht auch aus sozialen Gründen wie unbezahlte Carearbeit oder die Pflege und Erziehung von Kindern.
Statt unter Druck zu setzen wäre es Human, Gründe zu benennen und Möglichkeiten zu suchen Menschen sozial einzubinden.
Wissen seit Jahrhunderten:
- Schon immer war es üblich den Großeltern die Kinder anzuvertrauen. Das hielt sie lange geistig fit.
- Selbst in Armenhäusern wurden Alte und Kranke mit einfachen Arbeiten beschäftigt um ihnen ein Gefühl der Würde zurückzugeben.
- Viele Hochkulturen erschufen wunderbare Architektur, von Stonehenge über Pyramiden hin zu ganzen Halbinsel, um die Bevölkerung zu beschäftigen.
Monumentale Bauten sind schon immer ein Geheimrezept, das noch heute jeder Diktator beherrscht.
Gemeinsame Bauwerke die jedem eine Möglichkeit zur Teilhabe gaben, die Gemeinschaft durch gemeinsame Ziele band, die Wirtschaft stabilisierte und Sinn bestärkten. (Ein gewagter Gedanke... diesen Effekt könnte man in Deutschland mit dem Bau von Sozialwohnungen erreichen, aber Bahnhöfe und Flughäfen schienen den Verantwortlichen wohl "Denkwürdiger"?)
Auch in anderen Staatsformen zeigt sich, wie wichtig Arbeit den Menschen ist.
Nicht umsonst gibt es in Diktaturen "Vollbeschäftigung" als Beschäftigungsprogramm und Wahlargument, obwohl doch jeder weiß dass Vollbeschäftigung in einer freien Marktwirtschaft gar nicht möglich ist, weil sich diese mit Angebot und Nachfrage regelt!
Das Arbeit für Zufriedenheit sorgt merkt man auch, wenn man sich weltweit die Wahlversprechen der vergangenen hundert Jahre ansieht, oder wenn man beobachtet, wie sich flächendeckende Arbeitslosigkeit auf den Ruf eines Regierenden auswirkt.
Doch zurück zum Kern der Sache.
Müssen wir hinnehmen, dass wir mit falschen Wertmaßstäben manipuliert werden?
Die Antwort ist ein klares Nein! Eine Zivilisation die klug genug ist, um KIs zu erschaffen, sollte sich auch in dieser Hinsicht erlauben, sich evolutionär weiterzuentwickeln.
Aber was können wir tun?
Handlungsempfehlung zum Überdenken:
Wir könnten es uns einfach zur Regel machen, drei Schlüsselprinzipien zu befolgen:
- Hinterfrage die Absicht: Wer gewinnt, wenn ich dieses Narrativ glaube?
- Erweitere den Wert: Definiere deinen Wert nicht über das Gehalt, sondern über deinen Beitrag zur Gemeinschaft und deine Kompetenzen (Flow).
- Schütze die Gemeinschaft: Verweigere die Sprache der Abwertung und biete stattdessen echte Teilhabe an.
Ich weiß, wir sind alle Menschen und keiner von uns ist fehlerlos! Und dennoch hat jeder von uns das Zeug dazu sich zu weiterzuentwickeln! Jeder von uns weiß wie es ist, wider besseren Wissens zu handeln, weil wir nicht anders können. Aber wir alle wissen auch, das einfach aufgeben heißt, eine Chance nicht zu nutzen.
Darum meine Frage: Wollen wir es wagen?
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