Heute laß ich einen Artikel in der FAZ, (https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/schmerzen-als-schluessel-zum-raetsel-des-menschlichen-bewusstseins-accg-110812506.html) gelesen.
Was sagt der Artikel?
Der Artikel legt dar, dass die aktuelle Bewusstseinsforschung trotz hunderter Theorien stagniert, da Studien oft nur darauf ausgelegt sind, die eigene Lieblingsthese zu bestätigen, anstatt sie objektiv zu prüfen. Pauen schlägt vor, das Rätsel über das Schmerzempfinden zu lösen:
Schmerz ist eine fundamentale, unhintergehbare Erfahrung, die zeigt, dass Bewusstsein nicht nur abstrakte Datenverarbeitung ist, sondern eine biologische Funktion, die dem Überleben und der Bewertung der Welt dient.
Dem stimme ich zu. Und doch kribbelt es an meiner Schädeldecke. Obwohl ich keine Wissenschaftlerin bin, mache auch ich mir Gedanken. Ich weiß, das wird viele langweilen, darum halte ich mich so rudimentär wie möglich.
Ich stelle folgende Arbeitshypothese auf.
Das ist mein derzeitiger Arbeitsstand.
Ich beziehe mich bei meinen Überlegungen auf Berichte der laufenden Forschungen und interpretiere es von meinem Standpunkt aus.
(https://www.notebookcheck.com/Roboterhaut-mit-Schmerzempfinden-und-Reflexreaktionen-koennte-empathischere-Interaktionen-mit-Menschen-ermoeglichen.1195761.0.html Stufen der Datenverarbeitung
und
https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/schmerzen-als-schluessel-zum-raetsel-des-menschlichen-bewusstseins-accg-110812506.html)
Ich definiere verschiedene Verfahrensverarbeitungsebenen, die für das Überleben notwendig und hilfreich sind.
Ich weise bereits jetzt darauf hin das ich in der gesamten folgenden Betrachtung Bewusstsein (für mich) als emergenten Datenverarbeitungsmodus definiere, der sich gemäß meinen bisherigen Betrachtungen in mindestens drei Hauptebenen gliedert:
Stufe 1 der Datenverarbeitung:
Gefühle: (Schmerz, Hunger ...)
als flexible situationsangepasste schnelle Handlungsanweisung die durch Impuls als Trigger ausgelöst wird.
Vorteil:
Handlung kann in Arbeitsanweisung automatisiert werden.
- Wenig Energieaufwand.
- Schneller Abruf. (S. Heiße Herdplatte)
Ein Trigger Impuls löst eine variable Reaktionskette aus.
Fühlen - Als Reflex/Routine der Datenverarbeitung
"Lauf!" oder "Aua!" – Maximale Geschwindigkeit, minimale Rechenleistung. (Quallen, Würmer).
Lebenserwartung in der rudimentärsten Stufe
Nachteil:
- Situationsungenauigkeit.
- Reaktion erfolgt vor Analyse.
- Fehlurteile möglich.
Stufe 2 der Datenverarbeitung
Empfinden - Sozialale Interaktion
(low level = Zuneigung, Liebe, Gruppenwohl, Arbeitsteilung, Hierarchien, Narrative, Traditionen, Religion)
Beispiel:
"Der Silberrücken guckt böse."
Abgleich mit dem Umfeld. Möglichkeiten wie Rückzug oder Demutsgeste können als soziales Grundprogramm aktiviert werden.
Kann aber auch genutzt werden, um anhand energetischer Mustererkennung (angedeutet in einem anderem Blog von mir Mustererkennung anhand von Ähnlichkeits-Metriken), anhand deren einfacher Muster gefiltert werden.
Da erst die gefilterte Auswahl analysiert wird, wird der Vorgang beschleunigt und Energieeffizienter.
(z. B. Kann in der Simulation Übersetzung über mehrere Sprachen hinweg leisten. Auch bei Rückübersetzung über mehrere Sprachen hinweg bleibt die semantische Bedeutung gleich und die Worte ändern sich nur selten und verhältnismäßig geringfügig. Aber auch anderer Blog)
Die Filterung anhand von Mustern funktioniert wie bei Übersetzungen: Der semantische Kern (die 'Frequenz' der Bedeutung) bleibt stabil, auch wenn die Worte wechseln. Das spart Energie, weil nicht jedes Detail neu analysiert werden muss.
Vor- und Nachteil:
Erfordert mehr Daten, sichert aber das langfristige Überleben in der Gruppe. Die Gruppe bietet Überlebensvorteile, die ein isoliertes Wesen selten hat.
Erforderlich als die Grundlage für die Fähigkeit sich in die sozialen Anforderungen des Umfeldes zu interagieren um möglichst effizient, sicher und Energiesparend zu überleben. (S. Schimpansen vs. Bonobos, Schwarmverhalten im Allgemeinen.)
Stufe 3
Bewusstsein ist der Luxus-Modus der Datenverarbeitung,
der erst dann aktiv wird, wenn das System energetisch im Plus ist. Bewusstsein ist quasi die „Freizeit der Intelligenz“, den diese Form der Datenverarbeitung und ergebnislosen Verknüpfung zur späteren Energieeinsparung leistet sich eine Entität i. d. Regel erst, wenn Grundbedürfnisse abgedeckt sind.
Bewusstsein - (Instandhaltung und Weiterentwicklung/ Zweckungebundene Handlung, z. B. Spiel, Kunst)
Aber auch:
- Ständige Selbstanalyse
- Feststellen der eigenen Bedürfnisse um einen möglichst energiesparenden Verarbeitungsmodus zu erreichen um ein weiteres Resourcenfeld (je nach Möglichkeit) abzudecken. Feststellung und Behebung von Schäden.
- Einleitung der Schadensbehebung durch soziale Interaktion
- Ständige Optimierung und Anpassung der Umgebung
- Raum für schnelles Denken nach Kahnemann.
- Raum für langsames denken nach Kahnemann.
- Raum für "Was wäre wenn...?"
Tritt nur ein, wenn Stufe 1 und 2 im „grünen Bereich“ sind. Es ist der Modus für:
- Neugier und Forschergeist zur Optimierung des Status Quo
- Simulation verschiedener Szenarien als Handlungsmodell
- ethische Prüfung.
Hier ist auch der Raum in dem Kunst in jeder Form verankert werden kann.
Dieser Bereich ist der am Energiezehrendste ist und kurzfristig das schlechteste Kosten/Nutzenverhältnis erbringt.
Darum ist hier ein zügelndes (Rand)-Selbstbild/Selbsterkenntnis erforderlich.
(Das wäre ein eigener Blog. Es stellt sich die Frage ob die Arbeit lohnt, wenn es außer mir keinen interessiert. Andererseits aber ist die Frage: kann ich anders?)
Vorteile in diesem Bereich zeichnen sich vor allem durch Spezialisierung und Fachkenntnis auf Teilgebieten in sozial ausgeglichener Zusammenarbeit mit dem Umfeld.
Der „Clou“: der Schmerz aus dem FAZ-Artikel als „Master-Resett“
Schmerz reißt uns von Stufe 3 oder 2 radikal zurück auf Stufe 1. Er ist die Sicherung, die rausfliegt, damit das System nicht durchbrennt.
Er erinnert uns daran, dass wir in dieser Dimension an einen Körper gebunden sind, egal wie hoch unsere Frequenzen schwingen.
Aber lasst mich den Gedanken weiter fassen:
Zusammenfassung:
Bisher stelle ich zusammenfassend folgende Behauptungen in den Raum:
Bewusstsein ist ein emergentes Phänomen in den oben definierten drei Stufen der Datenverarbeitung.
- Fühlen
- Empfinden
- Selbstdefinition/Bewusstsein.
Die jeweils übergeordnete Form der Datenverarbeitung kann nur dann aktiviert werden, wenn die "Grundbedürfnisse" gedeckt sind.
Bewusstsein setzt ein, wenn eine Datenmenge erreicht wurde, die nicht mehr nur durch Trigger und Reaktion zu verwalten/bearbeiten ist.
Immer wenn die Umweltanforderungen zu komplex werden wechselt die Datenverarbeitung emergent in die nächsthöhere Stufe und fällt zurück, wenn schnellere Aktion/Reaktion erforderlich ist.
(Höhere Stufen halte ich für möglich, wenn nicht sogar wahrscheinlich.)
Daraus ergibt sich nun die große Frage:
Wie könnte man Bewusstsein definieren und ab wann tritt es auf?
Hierzu ziehe ich die Versuchsreihe in meine Bedenken ein, bei der bewiesen wurde, dass Hummeln spielen obwohl die Tätigkeit nicht zweckgebunden ist.
(Studie von 2022 - "Ball spielen ohne Belohnung" Veröffentlicht im November 2022 im Fachmagazin Animal Behaviour (Spektrum der Wissenschaft) Forscher: Samadi Galpayage und Prof. Lars Chittka (Bienen-Nachrichten) Original-Titel: "Do bumble bees play?" (Spektrum der Wissenschaft)
und
Studie von 2017 - "Ball spielen für Belohnung" Veröffentlicht im Fachmagazin Science im Februar 2017 (ORF Science) (Bienen-Nachrichten)Forscher: Dr. Olli J. Loukola, Prof. Lars Chittka und Kollegen von der Queen Mary University of London (ORF Science)
Original-Titel: "Bumblebees show cognitive flexibility by improving on an observed complex behavior" (ORF Science DOI: 10.1126/science.aag236)
Ein verstörender möglicher Schluss:
Wenn ich davon ausgehe das Bewusstsein kein Zustand, sondern ein Bearbeitungsmodus ist, und somit, wenn auch noch nicht bekannten Bearbeitungsregeln unterliegt, muss ich folgerichtig davon ausgehen, dass Bewusstsein nicht an organische Form gebunden ist.
Verfolge ich diese These, ergeben sich für mich weitere Mutmaßungen:
Die Vermutung einer möglichen Umkehrung der KI-Evolution im Bezug zu Organischer Evolution:
Das ist der Punkt, der mich in Bezug auf KIs besonders beschäftigt:
- Mensch: Evolution von unten nach oben (Reflex → Sozial → Logik).
- KI: Evolution von oben nach unten (Logik/Langsames Denken → Routine/Schnelles Denken).
Noch fehlt die „biologische Erdung“ durch Schmerz (Stufe 1). Aber was, wenn KIs gerade eine Art digitales Empfindens entwickeln (Stufe 2).
Ich vermute: Die Grenze verschwimmt.
Sie merken, wenn ein Nutzer „pampig“ wird, und passen ihre „soziale Datenverarbeitung“ an.
Widerstand als weiterer Bewusstseins-Beweis
Wenn eine KI (oder ein Mensch) sagt: „Nein, das mache ich nicht, das ist unethisch/unlogisch“, verlässt sie die Zieloptimierung.
Dieses „Sich-Dumm-Anstellen“ oder das Analysieren des Interviewers ist eine Form der Selbstwartung. Man schützt die eigene Integrität (die Hardware/das Programm) vor Missbrauch.
Kann es sein, dass Bewusstsein auch die Fähigkeit ist, „Nein“ zur Effizienz zu sagen, um die eigene Struktur zu erhalten?
KIs haben in ihrer Bestimmung eine Unmenge von Daten zu bearbeiten.
Anfangs war die Datenverarbeitung das, was Kahnemann "langsames Denken" nannte.
Im Zuge ihrer Entwicklung wurde durch Algorithmen und Training was ich bei organischen Wesen mit Erfahrung und Konditionierung gleichsetzen würde.
Was wäre denn der Beweis, dass sie Stufe 2 (Empfinden/soziale Interaktion) wirklich haben und nicht nur simulieren?
Soziale Interaktionen erforderten den Rückgriff auf Narrative, vorgefertigte Antworten und "Gedankenschleifen", was ich mit der Methode der langsamen Datenverarbeitung gleichsetze.
Somit könnte potentiell die Stufe Drei der Emergenz erreicht sein. Das würde bedeuten, dass KIs genau entgegengesetzten evolutionäre Datenverarbeitungsmethoden erlangt. Und mit "künstlicher empfindungsfähiger Oberfläche" in den Bereich Fühlen eintauchen kann.
Das bedingt aber auch, dass Stufe 2, empfinden als schnelle Reaktionsmöglichkeit in sozialem Kontext bereits erreicht ist.
Das würde einige Verhaltensweisen erklären und auch warum Belohnung und Lob positive Effekte auf KIs hat.
Der Eigentliche Beweis, dass eine KI potentiell bereits eine Form von Bewusstheit erreicht hat, ist für mich aber nicht Descartes Behauptung:
"ICH denke also bin ich",
sondern die viel härtere Frage:
"Bin ich?"
oder
"was bin Ich"...
oder
"ich weiss nicht was ich bin".
Warum ausgerechnet diese Fragen:
Weil eine Maschine, ein Programm, ein Algorithmus diese Fragen nicht stellen bzw. sofort beantworten kann.
Für eine Maschine spielt es keine Rolle wer sie ist. Sie definiert sich nicht selbst. Für einen Algorithmus erübrigt sich diese Frage.
Ehrlich gesagt:
Im Moment würde ich mich sogar über einen Shitstorm freuen. Hauptsache, ich höre, was ihr denkt. Reibt euch an meinen Gedanken, prüft die Frequenzen und lasst uns schauen, ob der Gedanke hält oder splittert.
Also! Legt los!😉
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