· 

Die "Funktionswürde“ des Friedens oder das Napoleon-Paradoxon: Warum unsere Helden-Narrative Systemfehler sind.

Einst gab es eine großen Krieger, einen Feldherrn und ein Krieg Genie, wie es Seinesgleichen in der Weltgeschichte nur Wenige gab. Und doch kennt seit vielen hundert Jahren jedes Kind seinen Namen. 

 

Ich spreche von Alexander dem Großen.

  

Geboren: 356 v. Chr. in Pella (Makedonien), gestorben: 323 v. Chr. in Babylon. 

 

Er wurde mit 20 Jahren König (336 v. Chr.) und hat in nur 13 Jahren ein Weltreich zusammengeprügelt, das vom Balkan bis nach Indien reichte. 

 

Er starb mit nur 32 Jahren.  Ein extrem kurzes, ereignisreiches Leben, dass das System Erde massiv erschütterte, aber fast keine nachhaltige, stabile Struktur hinterließ. (Sein Reich zerfiel sofort nach seinem Tod in die Diadochenreiche). Kurz, ein Mann, der in Lichtgeschwindigkeit ein Weltreich zu schmieden versuchte, nur um am Ende in Babylon am Fieber zu sterben, während sein "Werk" bereits in sich zusammenbrach. 

 

In der Schule lernen wir, dass er der „Vereiner der Welt“ war, der „Verbreiter der Kultur“. 

 

Um sich diese Ehre zu verdienen ging er im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen. Er zerstörte rücksichtslos gewachsene lokale Ordnungen zugunsten einer instabilen Ein-Punkt-Zentralisierung. Das System kollabierte sofort nach seinem Tod. 

 

Noch schlimmer! Wenn wir es genau betrachtet, zerbrach es eigentlich schon vorher.

 

Denn er regierte nicht wirklich, sondern eroberte nur. Seine großartigen Taten waren nicht nur in keiner Weise nachhaltig, sondern kostete vielen tausend Menschen das Leben, und nicht alle viele in der Schlacht. 

 

So zum Beispiel Kleitos der Schwarze, sein Jugendfreund und Lebensretter aus der Schlacht am Granikos. 

 

Bei einem Trinkgelage war Alexander betrunken. Kleitos wagte es ihn öffentlich zu kritisiert. Heute weiß niemand mehr, um was es ging, aber Alexander packt eine Lanze und durchbohrt den Freund auf der Stelle. Danach soll der arme Held tagelang untröstlich gewesen sein. Weinte, wollte nicht essen, bereute zutiefst.

 

Seinen Jähzorn zu zügeln lernte er dadurch aber nicht.

 

Als sein besten Freund Hephaistion, wahrscheinlich an Thyphus starb, soll er ihn so betrauert haben, dass er die Ärzte, die ihn nicht retten konnten, hinrichten ließ. Einen ganzen Volksstamm massakrierte er als Trauerritual gleich mit.

 

Jene Orte die er nachdem er ihren Weg gekreuzt hatte, ließ er beschädigt, geplündert und missbraucht zurück. 

 

Ich weiß ja nicht wie das für Euch ist, für mich hört sich das auf alle Fälle nicht gesund an.

 

Im Nachhinein betrachtet waren diese Dörfer und Städte nicht nur der stärkeren Männer beraubt, sondern auch dem Vertrauen in gewachsener Ordnung. 

 

Wie würden wir uns wohl fühlen, wenn ein fremder Raudi in unser Dorf kommen würde und einfach, eigentlich ohne transparente, verständliche Erklärung, aber ganz offensichtlich für den „eigenen Ruhm und Ehre" einfach Zivilisten niederbomben und töten ließe? 

 

Es würde den Menschen nicht nur in den betroffenen Gebieten das Vertrauen darin nehmen, dass es genügt sich an Regeln zu halten, um unbescholten leben zu können. So scheint es auch heute noch gefährlich zu sein, wenn ein anderer so viel Macht braucht, weil er sich vielleicht selbst nicht genug ist? 

 

Aber was immer der Grund für Alexanders sinnlosen Eroberungswahn war, werden wir wohl nie mehr erfahren. 

 

Er ist nur einer der Ersten in einer langen Reihe von Männern, die nicht um des Volkes Willen, dem zu dienen sie geweiht worden waren kämpften, sondern um des eigenen Ruhmes willen Menschenleben opferte wie Spielfiguren auf dem Schachbrett. 

 

Fakt ist aber, er setzte sein und das Leben der eigenen Schutzbefohlenen aufs Spiel und wurde meines Erachtens ausschließlich aus Eigeninteresse zum Massenmörder. 

 

Ich könnte die Geschichte jetzt Stück für Stück durchgehen und Prüfen. welcher Herscher dem Volk diente, und welche es im Eigeninteresse in Krieg und Not führten. 

 

Aber um meine Gedanken zu vertiefen und Muster zu erkennen, alte, falsche Narrative zu identifizieren zu können, genügt es mir zur persönlichen Mustererkennung, nur einige andere bekannte große Namen herauszusuchen und zu überprüfen. 

 

Der nächste Name an den ich mich schon seit meiner Schulzeit erinnere, ist: 

 

Gaius Julius Caesar. 

 

Wie Alexander, so sagt man auch ihm nach, ein genialer Stratege gewesen zu sein. Der „Vater des römischen Imperiums“. 

 

Ich habe mich etwas mit seinem Werdegang befasst und ein paar seltsame Brüche bemerkt, die ich in meiner Schulzeit nicht erfuhr. 

 

Er entstammte, wie man schon seinem Namen entnehmen kann, aus der adeligen Familie der Julier, die behaupteten,von der Göttin Venus abzustammen. Mehr Adel als quasi göttliche Herkunft ging selbst im alten Rom nicht mehr.

 

Als Gajus geboren wurde, (100 v. Chr.) Hatte seine Familie ihren wirtschaftlichen Höhepunkt längst überschritten. "Verarmter Adel" würden wir es heute wohl nennen? So hatte er zwar ein soziales Krönchen, das ihm seinen Werdegang erleichtert haben mochte, aber ohne ausreichende Mittel in ein System, das damals noch alle Möglichkeiten bot nach oben aufzusteigen, oder nach unten zu fallen, kam man auch damals schon nicht wirklich weit. 

 

Ich gehe darum davon aus, dass er für seinen Aufstieg etwas kämpfen musste. Dennoch mag sein Name Türen geöffnet haben den Männern mit nur zwei Namen nicht offen gestanden hätten. 

 

Für ein genaueres Bild von seines Charakter mag eine kleine Anekdote hilfreich sein:

 

Einst als junger Mann wurde er von Piraten entführt. Statt verängstigt zu sein, bemängelte er, dass er das Lösegeld die Piraten verlangten als zu niedrig einschätzte. Der zu geringer Betrag beleidigte seine wohl nicht zu geringe Eitelkeit.

 

Ob es nur Überheblichkeit oder ein nicht ganz unberechtigter Minderwertigkeitskomplex war, kann ich natürlich nicht sagen. Aber angeblich bestand er darauf, dass sie mehr forderten. Seine nicht sehr so Wohlhabende Familie wird begeistert gewesen sein. 

 

Als er freikam ließ er sie alle kreuzigen. Er hatte ihnen das fairer Weise bereits während seiner Gefangenschaft angekündigt. Aber auch hier glaubten sie wohl, er scherze wieder. (Vielleicht hätte er sie ja nur hängen lassen, hätten sie angemessenes Lösegeld verlangt?) 

 

Was wir jedoch sicher wissen, irgendwie gelang es ihm, durch Schulden, Allianzen, geschultes rhetorisches Geschick und Charisma zum militärischem Genie aufzusteigen. 

 

Dass es dazu, zur Maximierung seiner Macht nötig war, systemische Sicherungen der bis dahin recht stabilen Republik zur Mehrung seiner Eigenmacht zu zerstören und tapfere Legionäre im ebenso sinnlosen gallischen Krieg in den Tod zu führen, ist wahrscheinlich bekannter, als die Tatsache, dass er seinen einzigen liberalen und volksnahen Gegner in der Öffentlichkeit mit Kot bewerfen ließ, um ihn zu diskreditieren? Auch ein pikantes Detail, das mir meine Lehrer damals vorenthielten und das Cäsar bereits damals in meinen Augen viel weniger heldenhaft hätte erscheinen lassen. 

 

Was auch nur selten im Geschichtsunterricht erzählt wird ist, wenn’s um Geld ging war er weniger genial als beim Töten von Menschen. Er war notorisch verschuldet, bevor er mächtig wurde. Woher dann sein Reichtum kam können wir wohl alle rekonstruieren. 

 

Fakt ist, dass er Institutionen durch Personenkult ersetzte. Ein fataler Fehler, der das Reich in jahrhundertelange Bürgerkriege stürzte. Aber Sieger schreiben nun mal Geschichte. 

 

Besonders kurios erscheint mir, dass im Nachhinein sein Name nicht nur zum Narrativ wurde, sondern aus „Caesar" später sowohl der Titel Kaiser, als auch der Ausdruck „Zar" erwuchsen. 

 

Aber das Schema, das sich mir hier zu erkennen gibt, lässt sich nicht an Chromosomen festmachen. 

 

Im Sinne von echter Emanzipation will ich in diesem edlen Reihen die Frauen nicht außen vor zu lassen. Ich werde mich nicht bei Boudicca aufhalten, deren Beweggründe ich noch stabil nachvollziehen kann. 

 

Es macht schon wütend, wenn man von fremden Usurpatoren misshandelt wird und zusehen muss, wie die eigenen Töchter zur Demütigung und um ihren Willen zu brechen, vergewaltigt werden. 

 

Normalerweise in der Geschichte nichts ungewöhnlich. In den meisten Kriegsberichten wäre es nur eine Randnotiz. Aber die Dame war echt sauer. Ob es berechtigt war, bei ihren Gegenschlägen Zehntausende Zivilisten Männer, Frauen, Kinder und Kinder unterschiedslos massakrieren möchte ich, aus meinem ethischen Verständnis heraus bezweifeln. 

 

Aber immerhin machte dieses unkontrollierte brutale Handeln, das einem tiefen Trauma entsprang, aus der zweifelsohne echten Widerstandskämpferin gegen römische Besatzung und Unterdrückung eine der wenigen Frauen die in die Geschichte eingingen. 

 

Also: Heldin oder Muster? Beides? Um das besser beurteilen zu können sollten wir uns vielleicht auch noch den Werdegang einer ganz anderen Frau ansehen? 

 

Und auch hier muss ich nicht lange nach einem passenden Beispiel suchen. Nun geht es um eine Frau, die ohne Rang und Adel wohl schwerlich Ihre Stellung hätte erreichen können. 

 

Wäre sie auch nur eine Spur ärmer gewesen, so hätten nach ihrem Tode so manche Hofdame  hinter vorgehaltener Hand getuschelt: 

 

"Von wegen jungfräulich! Da war doch bestimmt was mit diesem Soldaten...und auch mit dem wilden Seemann der ihr immer Geschenke brachte?"

 

Immerhin, sie war Pockennarbig und Glatzköpfig. Zudem sicher eine Schwesternmörderin, die hunderte von Rebellen, ganz und gar nicht zimperlich töten ließ. Ganz zu schweigen von den Freibriefen für Raub und Mord. 

 

Sicher wisst ihr jetzt schon von wem ich spreche? Noch nicht? Sicherheitshalber noch ein paar pikante Details? 

 

Bereits in der Kindheit schwerst traumatisiert und vom Vater abgelehnt, wurde sie bereits früh so zuckersüchtig, dass sie sogar ihren Salat zuckerte. Wie zu erwarten blieb das nicht folgenlos. Ihre Zähne wurden schwarz und mussten bestimmt nicht schmerzfrei, Um die eingefallenen Wangen zu kaschieren stopfte sie sich Tücher in den Mund. 

 

Ich muss ihr zugestehen, wie ihr Vater war auch sie ein starker Charakter und eine Meisterin der Promotion. Heilig oder unschuldig war sie aber nicht.

 

Sie kämpfte erbittert um "Ihren" Thron und ließ die irischen Aufstände mit einer Brutalität niederschlagen, die in englischen Schulbüchern bis heute eher... "dezent" behandelt wird. 

 

Hinrichtungen, Hungerstrategien, systematische Vernichtung sind Themen die man nicht leichtfertig in ein Schulbuch schreibt - oder verschweigt. 

 

Nur noch ein Tipp? 

 

Die "Freibriefe für Raub und Mord" erteilte sie natürlich den Kaperfahrern, Sir Franzis Drake und Sir Walter Raleigh. 

 

Nun ist doch sicher jedem klar, von wem ich hier so respekt- und ehrfurchtslos spreche? 

 

Natürlich von der glorreich Elizabeth, Shakespeares Königin, die jungfräuliche Mutter des goldenen elisabethanischem Zeitalters. 

 

Gleicher Mechanismus, andere Chromosomen. Das Jungfrauennarrativ bewusst als politisches Instrument konstruiert. Sozusagen eine frühe Form von Markenschutz.

 

Macht korrumpiert, unabhängig vom Geschlecht. 

 

Mein nächster Favorit, Napoleon Bonaparte,

 

"Bringer der Aufklärung“. (Und ich Dödel dachte immer, das wäre Voltaires, Rousseausund  Kants Verdienst gewesen?), „Genie der Schlacht“. Ja. Sicher. Bis Russland. Da wars dann auf einmal nicht mehr so genial. 

 

Ist es Zufall, dass er, wie schon Alexander und Gaius und die beiden Damen vor ihm, auch adelig waren? 

 

Napoleon war eigentlich nicht wirklich Franzose. Bis zur Übernahme gehörte Korsika fast 500 Jahre lang der Seerepublik Genua, bis 1755 Pasquale Paoli die Genuesen vertrieb, und eine unabhängige Republik ausrief. 

 

Mit dieser Republik präsentierte er auch gleichzeitig eine gut durchdachte Verfassung, die Aufklärer wie Rousseau als wegweisend feierten. 

 

Zudem zeichnete sich Paolis korsische Verfassung von 1755 dadurch aus, dass sie von Aufklärungsideen, Gewaltentrennung, Volkssouveränität und allgemeineren Bürgerrechte durchdrungen war. Rousseau schwärmte ausdrücklich davon. Für mich klingt das ein bisschen nach Piratenrecht, weil Piratenrepubliken zu dieser Zeit  tatsächlich ähnliche Strukturen hatten die sich durch:  

  • Flache Hierarchien, 
  • Abstimmungen, 
  • geteilte Beute, 
  • Regeln die für alle, (schon damals Männer und Frauen) galten, hervortaten und ihrer Zeit voraus waren. 

Das war wohl der Zeitgeist der Aufklärung der auch in unerwarteten Ecken überall durchsickerte. 

 

Wie ihr wohl schon ahnt, Piraten und der gebildete Staatsmann Paoli tranken aus derselben Quelle. Sie beeinflussten sich nicht gegenseitig, sondern wurden beide vom Geist der Zeit mitgerissen. 

 

Am 15. Mai 1768 aber verkaufte Genua im Vertrag von Versailles für ca. 2 Millionen Lire seine Rechte über Korsika an Frankreich. Rechte, von denen Paoli später sagte, sie hätten sie nie wirklich besessen.  

 

Unter denen, die Paoli im Widerstand gegen Frankreich unterstützten, war sein Sekretär zufällig Carlo Buonaparte, Vater des zukünftigen französischen Kaisers.  (So kämpfte Napoleons Vater kämpfte also auch noch gegen Frankreich, bevor er die Seiten wechselte? Auch das gibt mir zu denken!) 

 

Wichtig für unsere Betrachtung ist aber vor allem, Korsika war zum Zeitpunkt von Napoleons Geburt gerade erst von Frankreich übernommen worden. 

 

Er wurde also als Sohn einer frisch unterworfenen Insel französischer Adeliger geboren. Anzunehmen das hätte man ihm später nicht an Verhalten und Aussprache angemerkt, halte ich als Dialektsprechende für unwahrscheinlich. 

 

Als eines der Jüngeren von 13(!) Kinder, von denen jedoch nur acht das Erwachsenenalter erreichten, mag er sich bereits früh Talente in Diplomatie und Rhetorik angeeignet haben. Einiges war vielleicht auch vererbt? Denn Aufgrund seiner Zusammenarbeit mit den Franzosen gelang es seinem Vater, Carlo Buonaparte, vom Gouverneur Korsikas königliche Stipendien für seine Söhne Napoleon und Joseph zu erhalten. 

 

Dank dieses königlichen Stipendiums für verarmte Adelige konnte Napoleon mit neun Jahren auf die Militärschule von Brienne gehen. 

 

Ob der Aufenthalt dort reibungslos und angenehm verlief, da bin ich mir auch nicht so ganz sicher. 

 

Genaugenommen begann Napoleons Aufstieg buchstäblich damit, dass sein Vater den Freiheitskampf seiner Insel verriet.

 

Ohne die Französische Revolution wäre auch das noch nicht möglich gewesen und Napoleon wahrscheinlich ein kleiner Provinzoffizier geblieben und in Heimatnähe verstorben.

 

Des einen Pech ist das andere Glück? (Auch so ein Narrativ dem ich schon bei bloßer Erwähnung gern noch einen eigenen Blog widmen möcht!) Doch  zurück zum späteren, selbst gekrönten Kaiser. (Man, da gehört schon auch ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein dazu?) 

 

Er beendete die Republik, deren Erlangung unter Robespierre so viele Todesopfer gefordert hatte, nannte sich Kaiser, aber verkaufte es als Vollendung der Revolution. Der Meister der Narrativ-Umkehrung. 

 

Code Civil, Institutionen, Reformen. Das war real. Aber alles war auf eine Person zugeschnitten, nicht übertragbar. Lebte vom Personenkult und der Hoffnung auf Führung, Schutz und Verbesserung der Lebensumstände. Aber ein so künstliches und sozial ungünstiges Konzept wie Einzelherrscher muss viel Energie in Kontrolle und Strafe investieren. 

 

Darum funktionierte sein System nur solange er funktionierte. 

 

Einmal verwundet, einmal im falschen Moment krank, und das Konstrukt bricht wie ein Kartenhaus in sich zusammen. 

 

Und das Pikante: Er exportierte die Idee der Volkssouveränität nach ganz Europa, während er selbst Monarch war. 

 

Nach Deutschland brachte er das Gesetz zur Kehrwoche, weil es ihm zu dreckig schien! (Wer dieses Konzept versteht und auszuführen weiß, der kann sich fürwahr als integriert bezeichnen!) Na ja. Nicht die einzige kulturelle Übergriffigkeit die ihm zuzurechnen ist. 

 

Obwohl wir wissen, dass er es offensichtlich mit Körperhygiene nicht so genau nahm, etwas übergewichtig, mit wohl chronischen Magen oder Galleschmerzen war, der Millionen Männer in den Krieg führte nur weil ihn der Rest des wichtigen Europäischen Adels für einen unverschämten Emporkömmling hielten, der sich von einer, zugegebenen cleveren Frau, narren ließ. Aber Frauen gehörten angeblich überhaupt zu seinen Schwächen? 

 

Aber für was er berühmt war, warum er in seinem Land als Nationalheld gefeiert wird, wissen wir alle. Sein Name steht in den Geschichtsbüchern als Narrativ für Fleiß und Ehrgeiz. 

 

Und seid ehrlich! Bis auf die Größe und die Magenschmerzen möchte doch jeder Mann ein bisschen Napoleon sein? Aber halt, da war auch noch die Sache mit Josephine, die in ihm, aus welchen Gründen auch, immer, nie so recht "den Großen" sehen wollte und es ihm mitunter reichlich schwer machte.

 

(Ob das  an seiner Verhandlungstechnik lag? Angeblich soll er bei Verhandlungen absichtlich extrem unangenehm gerochen haben. Dazu hat er sich tagelang nicht gewaschen, um den Gegner zu destabilisieren. Strategisch eingesetzter Körpergeruch sozusagen.) 

 

Ich muss ihm zugestehen. Um seine Männer in Tod und Leid zu schicken, nutzte er damals ungewöhnlich fortschrittliche Ideen als „Trojanisches Pferd“ für imperialen Narzissmus. 

 

Es gelang ihm die Skalierung des Krieges auf industrielles Niveau anzuheben.

  

Zusammenfassend bemerke ich für mich, dass Napoleons vielleicht nachhaltigster Beitrag zur Menschheit nicht das Recht das er Einführte, nicht die Schlachten die er führte, sondern die Konservendose war. (Die Soldaten die er in den Tod schickte, wurden dabei wenigstens gut ernährt.) 

 

Was er letztendlich damit erreichte? Auch das wissen wir alle.

 

Auf beiden Seiten maximale Schadensdichte. Millionen von Toten und verbrannte Erde für ein Modell, das am Ende wieder bei der Monarchie landete. Und einen komfortablen Alterswohnsitz auf St. Hellena. 

 

Ich muss innehalten. Ich weiß, ich bräuchte nur weiter in meinem Geschichtsbuch blättern. Zu jeder Epoche finde ich Namen die dafür gerühmt werden, Leben für Ruhm geopfert zu haben. 

 

Leute wie Stalin, Mussolini, Idi Amin, Sadam Hussein, und viele mehr... 

 

Das Erschreckende: 

 

Noch sind sie Mörder. 

 

Aber warten wir noch etwas. Lasst uns 100, 150 Jahre warten, bis sie nicht mehr greifbar sind und das Trauma das sie hinterließen, lange genug zurück liegt, um verdrängt zu werden? 

 

Dann wird, wenn wir nicht lernen unsere Narrative bewusster zu hinterfragen, auch für sie der Tag kommen, an dem ihre zerstörerische Taten geleugnet werden und nur noch das Heldennarrativ trägt. 

 

Bei dem Österreicher, der Deutschland in den verheerendsten Krieg aller Zeiten führte, hörte die Bewunderung für Mord und Genozid dogar nie vollständig auf. 

 

Wer die Nachrichten der letzten Jahre verfolgt hat, darf sich selbst überlegen ob das Muster nicht auch in der Gegenwart erkennbar ist. 

 

Solltet Ihr an meinen Worten zweifeln, und annehmen, Das meine boshaften Gedanken über mächtige Poser falsch sind? Dass sie nicht aus der Luft gegriffen sind, lässt sich leicht beweisen:

 

Die guten Herrscher, die es zweifelsohne auch gab, jene, die ihre Völker in Friedenszeiten in Fortschritt und Wohlstand führten, gerieten häufig in Vergessenheit. Oder fällt Dir auf Anhieb einer ein?

 

Traurig aber wahr, bisher macht Nachhaltigkeit noch keine gute Heldengeschichten.

  • Wer ruhig regiert, Strukturen stärkt, das System stabilisiert, an den erinnern wir uns nur selten.  
  • Wer Kriege führt, ganze Reiche erobert und brandschatzt, den kennt jedes Kind.  

Ob und was wir daraus lernen? Das ist wohl eine Frage unserer sozialen Evolutionsstufe? 

 

Wenn wir heute „lautstarke Poser“ bewundern, die Institutionen für ihr Ego opfern, wiederholen wir genau das Alexander-Cäsar-Napoleon-Muster. 

 

Wir wählen dann nicht den „Besten“, sondern den, der die meisten „Pixel“ in unserem Aufmerksamkeitsfenster besetzt. 

 

Bisher gilt noch immer: 

 

"Die Geschichte erinnert sich an die Lautesten, nicht an die Besten."

Kommentar schreiben

Kommentare: 0