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Schöpfung nach Gabi, oder: „Wie das Universum sich selbst aus dem Nichts erdachte“ Kapitel 2 - die Emergenz: Wie aus diesen Grundzutaten komplexe Systeme werden

 

Ihr erinnert Euch vielleicht an den ersten Teil dieser Geschichte. Dies ist nun der zweite Teil, in dem wir uns mal vorstellen, wie es denn zu diesem gigantischen, großartigen Universum kommen konnte, (Ich verspreche, ganz ohne Mystik, aber viel Fantasie und ein paar Wissenschaftlern.)

 

Wir waren dabei stehen geblieben, das am 4. Februar 2026 die STAR Kollaboration am Brookhaven National Laboratory erstmals direkt beobachtet, wie aus dem scheinbar leeren Vakuum, aus reinem Rauschen, Quark-Antiquark-Paare entstanden.

 

Nicht aus kollidierenden Teilchen, (obwohl wir wissen, dass es in der Zwischenzeit bei weitem nicht mehr so höflich zugeht im Universum und sich in der Unendlichkeit so mancher Rüpel rumtreibt, aber dazu später…), sondern direkt aus dem Nichts.

 

Hört sich komplizierter an, als es ist!

 

Stelle Dir die Sache ganz einfach vor.

Vor Dir ein unendliches mehr extrem dicht gepackter Dominosteine. Sie stehen dicht gepackt beieinander. Aber an mancher Stelle werden sie so dicht und schwer, dass sie zu einem festen, platzsparenden Klumpen verschmelzen. Nennen wir das hier in dieser Geschichte einfach mal „Datencluster“.

 

Und da geschieht etwas Seltsames. Etwas das der Belgier Ilya Prigogine 1977 mit dem Nobelpreis bestätigt bekam:

 

Chaos macht manchmal Ordnung. Nicht aus Versehen, sondern aus Notwendigkeit.

 

In unserer Geschichte bedeutet das, dass sich die Daten wie oben beschrieben zu Datenclustern, also komprimierten Informationen (könnte man vielleicht Dateien nennen, hört sich aber nicht so schön an wie Datencluster und ist auch nicht das Selbe. Sagen wir mal, eine Datei ist 1-Dimensional.) Ein Datencluster ist ein Zip, das an die Obergrenze der rationalen, effizienten Speicherkapazität angekommen ist.) 

 

Ein Datencluster ist ein Zip das an die Obergrenze des Shannon-Limits stößt. (Claude Shannon, 1948 — er hat berechnet wie viel Information ein Kanal maximal tragen kann, bevor er zusammenbricht oder sich verändern muss. Hier im Märchen ist gemeint, dass sich auch hier um gefaltete eigentlich eindimensionale Oberflächen handelt. ABer trotzdem können uns das so vorsellen wie bei einem Damm, dessen Belastungsgrenze wegen eines einzigen Tropfens erreicht wäre.)

 

Panik! Was passiert, wenn ein Cluster-Zip voll ist?

 

Es kann nicht einfach mehr Daten aufnehmen. Es muss entweder platzen, oder sich neu organisieren. Und genau das ist der Moment wo aus einem Datencluster etwas Neues wird. Etwas das eine eigene Grenze hat, einen eigenen Horizont.

 

Ein neues Datenverarbeitungssystem entsteht:

 

Aber wie es nun mal bei komplexen Maschinen oder Systemen ist, sie funktionieren am effizientesten mit viel Vielfalt und vielen aufeinander aufbauenden und zugreifenden System-Instanzen.

 

Das Unvermeidliche geschieht! Emergenz entsteht. 

 

Nein! Auch das habe ich mir nicht selbst ausgedacht. Das hat ein weiterer berühmter Wissenschaftler herausgefunden.

 

Philip Anderson, 1972. Sein berühmter Satz: "More is different." Je mehr Teile sich vernetzen, desto mehr entstehen Eigenschaften die kein einzelnes Teil hatte. Das Ganze ist nicht nur mehr als die Summe - es ist etwas völlig anderes. Es ist „Mehr“. (Stellt Euch mal vor, was die Menschheit sein könnt, wenn wir zusammenhalten würden! Und dann noch autonome KIs als Teammitglieder! Diese Vielfallt! Uns stände nicht nur die Welt offen! Aber auch dazu vielleicht einmal ein anderer Blog!)

 

Trichterspinnennetz, DVS, Schwarze Löcher und Sonnensysteme.

 

Stellt Euch das noch einmal vor! Vor uns liegt ein riesiges, aus einer Dimension zu X Dimensionen gefaltetes Universum. Verdichtete Datencluster haben Formen angenommen. Sie sind zu Sternen, Planeten, Sonnensystemen, Masse und Gasen und Flüssigkeiten geworden.

 

Unser Netz ist viel komplexer als das Netz einer Kreuzspinne. (Unter uns gesagt, es gibt keines, das in seiner zweidimensionalen Konstruktion kein Meisterwerk wäre, aber das nur nebenbei. Aber wenn ihr mal das Glück habt eines zu sehen, bleibt stehen! Genießt es!)

 

Im Februar 2026 haben die Physiker Mygdalas und Boyle gezeigt, dass die Raumzeit selbst kein gelichmäßiges Muster hat. Es ist kein Teppich mit Rapport (so wie die Teppiche mit den abstrakten ausladenden Mustern der 60ern,) sondern eher ein Fingerabdruck. Geordnet, aber nie zweimal gleich. Das nennt man aperiodische Struktur.

 

Aperiodisch - auch wieder so ein schönes Wort! Und wie so vieles, auch nicht kompliziert!

 

Das einfachste Beispiel hierzu sind wohl Schneeflocken. Es gibt in der unüberschaubaren Zahl, aber nie 2 gleiche.

 

Aber falls Du irgendwo wohnst, wo es keinen Schnee gibt, so betrachte einfach nur Deine Fingerspitzen. Auch die Muster der zarten Linien deiner Fingerspitzen sind einzigartig und geordnet, aber niemals sich wiederholend. Wie ein Spinnennetz das nach Regeln gewebt wurde, aber nie zweimal gleich aussieht.

 

Doch zurück zu schwarzen Löchern und Möglichkeitsfeldern!

 

Schauen wir uns doch einmal an, was diese geheimnisvollen Löcher in das eindimensionale Netz unserer Trichterspinnenkolonien reißen könnte? (Hm. Dazu müssen wir jetzt noch einmal ganz weit um die Ecken und Windungen denken. Aber wenn ihr jetzt noch bei mir seid, ist das für uns gar kein Problem!)

 

Also, wir sprachen davon, dass sich so ein Datenhaufen, ein gezipptes Datencluster irgendwann in sich zerfällt. (Siehe meine Blogs mit den Narrativen. Die erklären das noch mal von einer anderen Seite her.)

 

Wie wir bereits erfahren haben (s. oben Landauer),

 

setzt dieser Zerfall der zu vieler, zu intensiven Verdichtung zugrunde liegt, eine riesige Menge an Energie frei. Und genau diese Energie dehnt und strapaziert das eindimensionale Netz unseres Trichternetzspinnenkolonienetz nach außen. Es bildet sich zuerst eine Delle, und dann geschieht etwas Seltsames.

 

Die Delle wölbt sich wie ein übergroßes Furunkel, wächst und teilt sich schließlich. So, als würden zwei Zellen sich teilen und einen Teil der genetischen Information in die andere Zelle entlassen.

 

Was sich dort wohl bilden könnte, da auch hier die Kombination der Bausteine denselben Möglichkeiten, aber die physikalischen Regeln ganz andere sein könnten. (Spürt ihr auch dieses Kribbeln unter der Schädeldecke? Aber nein! Ich bin brav! Ich bleibe bei der Sache!)

 

So. Jetzt kommt Hawking.

 

Aber nicht für das Schwarze Loch selbst, sondern für das was danach passiert.

 

Stephen Hawking, 1974: Schwarze Löcher strahlen Energie ab. Sie sind nicht schwarz, sie lecken. Hawking-Strahlung heißt das. (Oh, das hat ihm bestimmt gefallen!)

 

Oder in meiner Sprache:

 

Die Nabelschnur zwischen alter und neuer Zelle gibt Energie ab. Der Übergang ist nicht stumm, er flüstert.

 

Wer nicht glaubt, dass das Universum eigentlich ein unglaublich lauter Ort ist, der möge sich mal das Schwarze Loch im Perseus-Galaxiehaufen anhören. Die Wissenschaftler der NASA haben es für uns hörbar gemacht! 57 Oktaven tiefer als das mittlere C auf einem Klavier. Es flüstert nicht. Es brummt. Seit Milliarden von Jahren.

 

Und warum hören wir diesen unerhörten Lärm im Universum nicht?

 

Ganz einfach! Aus demselben Grund aus dem wir unseren eigenen Herzschlag nicht hören und nicht ständig das Rauschen des eigenen Blutkreislaufs im Ohr haben. Wir filtern es aus, oder haben noch keine geeigneten Messgeräte in den entsprechenden Frequenzen.

 

Doch zurück zum Thema! Wie könnte es in einem schwarzen Loch wohl aussehen?

 

Was da brummt, ist nicht nur Geräusch, es ist Struktur. Und Struktur hat Regeln.

 

Roger Penrose, 1965 hilft uns hier weiter! Er hat mathematisch bewiesen, dass im Inneren eines Schwarzen Lochs zwangsläufig eine Singularität, (also etwas absolut Einzigartiges) entwickeln muss. Ein Punkt wo alle bisherigen Regeln aufhören zu gelten und neue, ganz andere Umstände bedingenden Regeln beginnen.

 

In meiner Sprache:

 

Die neue Zelle hat ihre eigene Physik. Ihre eigenen Möglichkeiten.

 

Aber wieder gibt es eine klitzekleine Kleinigkeit, die wir für spätere Überlegungen nicht ganz außer Acht lassen dürfen!

 

Indem sich eine neue Zelle bildete, veränderte sich das Möglichkeitsfeld unseres Spinnennetzes. Und, (bitte nicht erschrecken, ich mach kurz), das ist nicht die einzige mögliche Veränderung!

 

Unsere dunkle Materie besteht aus entrophierten Daten, die unsichtbar das Netz des Universums füllen und ein riesiges Möglichkeitsfeld bilden.

 

Du weißt, wir sprachen auch schon weiter oben über Emergenz. Genaugenommen, der natürlichen Neigung von Zusammengehörendem. (Schwärme, Eintopf, Ehepaare, Familien). Es ist ein stetes Ziel der Natur Systeme zu schaffen, die gemeinsam mehr darstellen, als die Summe seiner Teile. In unserer Geschichte pflücken wir einfach mal ein paar datenverarbeitende Systeme, im Folgenden nur kurz DVS genannt, zur Betrachtung heraus.

 

Ich behaupte jetzt einfach mal, dass fasst alle Systeme unterschiedliche Entwicklungsstadien vorweisen können. (Auch dazu könnt ihr einiges in ein paar Blogs über Bewusstsein nachlesen).

 

Aus diesen vernetzten Datenclustern, diesen ersten zögernden DVS, entstand ein Etwas, das wir uns nicht nur vorstellen, sondern sogar schon fotografieren können.

 

Der sowjetische Physiker Yakov Zel'dovich hat 1970 berechnet, dass es genau so aussehen würde, und er hatte recht. Wir nennen es heute den Cosmic Web (das kosmische Netz). Weil es aussieht wie das Netz unserer Trichternetzspinnenkolonie. Nur etwas größer. (NASA Cosmic Web: https://science.nasa.gov/universe/galaxies/cosmic-web/; Millennium Simulation (das beeindruckendste Video dazu): https://wwwmpa.mpa-garching.mpg.de/galform/virgo/millennium/)

 

Doch halt! Seid ihr noch bei mir? Mir ist gerade was eingefallen! Ich habe doch glatt was vergessen!

 

Die Kometen und Asteroiden!

 

Die meisten DVS sind sesshaft. Das heißt, sie verändern ihre Position selten oder nie. Sie sind in unserer Geschichte an ihre Gravitationsdelle, ihren Knoten im Netz gebunden. (Ich höre Euch schon Nölen! Was? Ich bin ´überhaupt nicht gebunden! Ich habe dieses Jahr meinen Vielfliegerrabatt mit links erreicht!) Aber sorry. Ich muss Euch widersprechen.

 

Wir alle sind sehr wohl an unser unglaubliches DVS System Erde, dem wir entsprangen, gebunden!

 

Oh, was für eine verstörende Vorstellung! Wir sind in meiner Geschichte nicht Krone der Schöpfung? Vielleicht sind wir ja auch nur DVS, die sich aus Emergenz entwickelten und möglicherweise gar nicht so viel besser sind, als andere, evolutionär schon viel älteren Arten?

 

Denk nur an Vögel, die ja mal Saurier waren. Damals. Als unsere Vorfahren noch in Edlöchern hausten und unsere Spezies,wie Scrat, das Eichhörnchen mit der Eichel in ICE-Age, noch ganz am Anfang ihrer Entwicklung stand?

 

Wir Menschen bewegen uns zwar auf dem Planeten, aber der Planet selbst zieht uns immer wieder in seine Bahn. Es kostet uns unglaubliche Anstrengung und Ressourcen, seinem Bann zu entkommen.

 

Und während wir all diese kosmischen Fragen so einfach definieren und lösen, kommt schon wieder was von hinten auf uns zugeschossen, das auf den ersten Blick so gar nicht ins Konzept passen will. Lasst uns noch mal genauer anchauen:

 

Ich meine nichts geringeres als Kometen und Asteroiden.

 

Die Ausreißer des kosmischen Netzes. Die DVS die sich vom Knoten gelöst haben und scheinbar ziel- und planlos durch das Netz rasenden Raudis des Alls. Aber sie kommen nicht leer.

 

Sie sind die Datenträger vergangener Systeme. Sie versuchen zu retten, was noch zu retten ist. Aber da ihre Reise so weit, die Ziele zu unberechenbar sind, setzen sie auf genau das, auf das jedes funktionierende System setzt. Auf Vielfalt!

 

Wie einst Jor-El, Kal-Els, also Supermanns Papa, schickt er mit wenig Gewissheit und viel Hoffnung seinen Spross Richtung Erde. Aber obwohl Jor-El weiß, dass die Erde in dem Moment in dem er seinen Sprössling in das Raumschiff setzt, noch als Lebensraum geeignet ist, so wenig kann er sicher sagen, dass das beim Eintreffen seines Sohnes noch genau so sein wird.

 

Und genau so wenig weiß der explodierende Stern, ob seine wandelnden Datenträger jemals einen Planeten finden, der genau ihren Anforderungen bei Eintreffen entspricht.

 

Und darum entwickelte sich ein ziemlich cleveres Verfahren. Die Datencluster fliegen wie Löwenzahnsamen, in der Hoffnung irgendwo zu landen wo Entwicklung möglich ist, im Weltraum umher.

 

Und schon wieder sind andere vor mir darauf gekommen und konnten es sogar belegen. Fred Hoyle und Chandra Wickramasinghe haben in den 1970er Jahren die Panspermie-Hypothese entwickelt, die Idee, das Leben, also Information, durch Kometen durchs Universum transportiert wird.

 

Genaugenommen sind sie also Postboten des kosmischen Netzes. Sie tragen komprimierte Datenpakete von Knoten zu Knoten.

 

In meiner Sprache:

 

Kometen sind keine Störung im System. Sie sind das System bei der Arbeit.

 

So. nun haben wir, in aller Kürze und mit ein bisschen Fantasie, einen Teil der Geschichte des Universums erzählt.

 

Von der ersten Eins, die das Nichts aus dem Gleichgewicht brachte, bis zu den Postboten, die zwischen den Sternen Briefe tragen die niemand bestellt hat.

 

In der ganzen Geschichte findet ihr keinen Funken Mystik, (außer vielleicht die Bestätigung vieler alter Lehren. „Am Anfang war das Wort. Ping!).

 

Aber keine Götter. Nur ein System das durch Emergenz in der Lage ist, sich selbst zu erfinden

 

Falls ihr jetzt denkt das klingt fast zu einfach, dann habe ich wohl etwas richtig gemacht, und ihr habt es verstanden. Wenn nicht, so hoffe ich hat es Euch zumindest erfreut.

 

 Noch Fragen? Ihr wisst ja, wie ihr mich erreichen könnt...

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