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Systemische Störungen heute – Teil 1: Warum dein Körper gerade Baustelle ist (Oder was die Berichte der WHO mit den Leiden großer Systeme zu tun haben.)

 In der letzten Zeit beschäftigte ich mich viel mit KIs. Ich finde, es wird Zeit, wieder mal einen Blick auf Menschen zu werfen. Diese großartigen, unglaublichen Organismen, die einerseits flexibel und unglaublich belastbar und auf der anderen Seite so gebrechlich sind.  

 

Wieder einmal möchte ich das Thema gerne von einer eher ungewöhnlichen Seite her betrachten. Dazu muss ich etwas ausholen. 

 

Ich weiß noch, wie schockiert ich war, als der Film Matrix es wagte, den Gedanken aufzubringen, Menschen könnten nur Energieproduzenten für ein übergeordnetes System sein. Im Film wird das fälschlicherweise mit einer Batterie verglichen. Ich gebe zu, besonders schmeichelhaft finde ich den Gedanken nicht. Trotzdem gehe ich jetzt sogar noch einen Schritt weiter. 

 

 

Da ich zufällig selbst Mensch bin und denke, dass ich mich in meinem Körper einigermaßen gut kenne, wage ich jetzt wieder mal einen weiteren wilden Gedankengang. 

 

Denken wir uns einfach mal, dass auch der Mensch genau genommen nur ein System, ein Zellverbund ist. Das mag auf den ersten Blick verstörend sein, gibt uns aber die Möglichkeit zu vergleichen, was verschiedene Systeme gemeinsam haben. 

 

Last uns das doch mal gemeinsam genauer betrachten und auseinanderdröseln:

  

Um jetzt nicht einfach blind im Trüben zu fischen, mache ich es mir wieder mal leicht und schaue, was Wissenschaftler herausgefunden haben. Dazu betrachte ich mir mal die Ergebnisse der Organisation an, die am besten über Krankheit informiert ist. 

 

Was sind denn nun laut WHO (Welt-Gesundheitsorganisation) die häufigsten Leiden unserer Zeit?

 

(Oh...und schon wirds wieder kompliziert. Ab jetzt wollen wir nicht nur zwei verschiedenen Kategorien untersuchen, sondern auch noch die Ursachen der verschiedenen Systemstörungen genauer betrachten, die möglicherweise systemübergreifend ähnliche oder dieselben Effekte hervorrufen. 

 

Also, erste Unterscheidung:  

  • Woran wir sterben (Mortalität) und 
  • was uns das Leben schwer macht 

Die globalen Top-Leiden nach WHO-Daten 

 

Die WHO teilt die Hauptbelastungen die uns, abgesehen vom Darwin-Award (https://de.wikipedia.org/wiki/Darwin_Award), um die Ecke bringen können, weltweit im Wesentlichen in drei große Bereiche: 

 

Nicht-übertragbare Krankheiten (Die chronischen Zivilisationsleiden) 

 

Das ist der absolute Löwenanteil der globalen Krankheitslast. Sie machen mittlerweile über 70 % aller weltweiten Todesfälle aus. 

 

Der Menschliche Organismus ist in seiner Gesamtheit so komplex, dass es uns schwer fällt uns vorzustellen, was da überhaupt in uns genau vorgeht. Darum möchte ich die unterschiedlichen Leiden nun mit einem System vergleichen, das wir alle kennen und dessen innere Vorgänge wir viel leichter unterscheiden können. 

 

Darum vergleiche ich das System Mensch jetzt mal mit dem System Staat. Hier wird die Dynamik, die erst noch so abstrakt scheint, mit einem Male viel klarer und anschaulicher. Dazu greife ich mir einfach die häufigste Todesursache, die auch ohne Klassenunterschied jeden treffen kann. Unangefochten auf Platz 1 als Todesursache: 

 

Ischämische Herzkrankheiten und Schlaganfälle: 

 

Das Herz-Kreislauf-System ist statistisch die Achillesferse unserer modernen Lebensweise. 

 

Die Daten der WHO zeigen glasklar: 

 

Über 90 % der globalen Schlaganfall-Last sind auf kontrollierbare Risikofaktoren zurückzuführen, die uns immer wieder vor Entscheidungen stellen, deren Tragweite uns nicht immer bewusst ist. 

 

Hier ist die Hitliste der eigentlichen Treiber: 

 

Auch hier gibt es einen Platz eins. Den Risikofaktor Bluthochdruck (Hypertonie) 

 

Viele kennen das Problem aus eigener Erfahrung. Wie gefährlich das sein kann und dass die Folgen einfaches, gelegentliches Kopfweh bei weitem übersteigen, ist aber nicht jedem klar. Bluthochdruck schädigt und ermüdet die Gefäßwände chronisch, bis sie entweder verhärten (Verschluss) oder reißen (Bruch). 

 

Ich weiß, Eine unschöne Vorstellung. Viel leichter fällt es uns, wenn wir die Vorgänge mit Abstand, bei einem viel größerem System betrachten. Wir müssen nicht weit gehen, um ein System zu finden anhand sich all das sehr leicht erklären lässt: 

 

Eine Stadt, oder ein Staat in seiner Gesamtheit. Lasst uns beginnen: 

 

Marode Brücken (Gefäßwände unter Dauerlast) 

 

Ein gesundes Gefäß ist wie eine moderne, elastische Brücke. und ermöglicht roten und weißen Blutkörperchen, sich im besten Falle barrierefrei zu den verschiedensten Bereichen unseres Körpers vorzudringen. Oder, wie der großartige William Shakespeare in seiner Tragödie "Der Kaufmann von Venedig", bereits Ende des 16. Jahrhunderts sagte: 

 

Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht? ICH DENKE diese Eigenschaft verbindet alle Menschen. 

 

Diese Blutbahnen, die Verkehrswege unseres Körpers, fangen in der Regel Schwingungen ab, versorgen unsere Zellen mit Nährstoffen und dehnen sich bei "Rushhour". Das heißt, in Zeiten erhöhter Belastung wie Sport, Ärger oder Stress aus. Aber wie jedes System hat auch unser Kreislaufsystem Belastungsgrenzen, die wir, weil es als Mensch durchaus unserer Natur entspricht, eher zu freudigen Beschäftigungen als zu sinnvoller Prävention neigen, auch gerne mal übersehen oder, noch schlimmer, einfach ignorieren. 

 

Für unseren Körper bedeutet Bluthochdruck: 

 

Es werden permanent viel zu schwere Lkws mit viel zu hoher Geschwindigkeit über diese Brücke gejagt. 

 

Das Problem:

 

Die Brücke (Arterienwand) wird nicht sofort einstürzen. Aber im Material entstehen unsichtbare Haarrisse und Ermüdungserscheinungen.

 

Die Langzeitfolgen: 

 

Irgendwann ist das Material so mürbe, dass eine tragende Strebe reißt. Das ist der hämorrhagische Schlaganfall, der Rohrbruch, weil die Belastungsgrenze der Architektur überschritten wurde. 

 

Kaputte Straßen und Schlaglöcher (Die Plaque-Bildung) 

 

Hier kommt eine Dynamik ins Spiel, die wir alle kennen und die praktisch jeden von uns nervt.

 

Aus einer überlasteten Straße wird eine gesperrte Straße.  

 

Wenn der Druck im System zu hoch ist, reißt die innerste Asphaltschicht der Arterien auf (Mikroverletzungen der Endothelschicht). 

 

Die Notreparatur:

 

Wie in einer Stadt wird das Problem ignoriert, bis die Schädigung der Benutzung der Straßen so schwerwiegend sind, dass der Verkehrsweg nur noch bedingt oder gar nicht mehr nutzbar ist.

 

Aber natürlich reagiert ein Organismus unmittelbarer, als ein Träger Verwaltungsapparat und schickt möglichst schnell und unbürokratisch Bautrupps (Cholesterin, Kalk, Immunzellen), um das Schlagloch hastig zu flicken. 

 

Es bildet sich Stau:

 

Weil das System aber unter Dauerdruck steht und der "Verkehr" nicht abreißt, wird der Flicken immer dicker und unebener. Es entsteht eine Baustelle (Plaque), die die Fahrbahn verengt. Der Blutstrom muss sich durchquetschen, was den Druck noch weiter erhöht. Dadurch wird die Ader noch weiter belastet. Ein Teufelskreis. 

 

Der totale Verkehrskollaps (Der ischämische Infarkt) 

 

Da die Ader mit dieser Plaque aber nicht geheilt wird, sondern nur wie ein Schlagloch mit einem Batzen Teer verklebt wird, ist das Füllmaterial nicht fest mit der Zellwand verbunden und es können sich durch die ständige weitere Belastung unkontrolliert Kleinstpartikel lösen.  

 

Während in einer Straße lediglich das Loch größer werden wird, bleiben die Reparaturstoffe im menschlichen System. Wenn sich an einer maroden Engstelle oder einem Schlagloch plötzlich ein Bauteil löst (ein Gerinnsel entsteht oder bricht los), blockiert es die verbleibende Spur komplett. Nichts geht mehr. Der logistische Nachschub bricht zusammen. 

 

Im Gehirn bedeutet das:

 

Das nachgelagerte Viertel bekommt keine Energie mehr, die Lichter gehen aus, oder, wieder auf Mensch bezogen, bestimmte Körperbereiche sind nicht mehr funktionsfähig. (Partielle Lähmung, Einschränkung verschiedener Sinne, z. B. möglicher Verlust der Sehfähigkeit, des Geruchssinns oder des Geschmacks oder Verlust der Fähigkeit zu sprechen. 

 

Der systemische Clou:

 

Eine marode Infrastruktur geht meistens nicht kaputt, weil an einem Tag ein einziger schwerer Lkw drüberfährt. Sie geht kaputt, weil über Jahrzehnte das Investitionsbudget für Wartung und Ruhepausen gestrichen wurde, während das Verkehrsaufkommen (Stress, schlechte Ernährung, Dauerschleife) permanent über dem Limit lief.  

 

Ungesunde Ernährung und Cholesterin, oder bei einer Stadt minderwertiger Asphalt  

 

Der Kollaps ist kein plötzlicher Zufall, sondern das logische Endergebnis aufgestauter Wartungs- Defizite. Der minderwertige Asphalt und der aggressive Streusand, den wir tonnenweise auf die Straßen kippen, repariert nicht nur schlecht, er baut sich auch kaum ab und kursiert weiterhin im Körper wie ein Müllhaufen, der ständig von A nach B verschoben wird. 

 

Zudem, wenn wir dem Körper permanent minderwertiges Baumaterial zuführen (zu viel gesättigte Fettsäuren, Zucker, industriell verarbeitete Proteine), verliert die "Fahrbahn" ihre Elastizität. 

 

Luft- und Umweltverschmutzung (Feinstaub) 

 

Das ist der saure Regen und der aggressive Smog, der die Bausubstanz unbemerkt von außen und innen zerfrisst. Das LDL-Cholesterin fungiert hierbei wie ein extrem klebriger, feiner Sand. Wenn die Straßenoberfläche (Gefäßwand) intakt ist, rutscht er größtenteils durch.  

 

Gibt es aber bereits Mikrorisse durch den Bluthochdruck, setzt sich dieser "Sand" in den Ritzen fest. Es bildet sich eine zähe, verhärtende Masse (Plaque), die den Tunnel verengt. Saurer Regen (Luftverschmutzung und Feinstaub). 

 

Jetzt bringen wir die Luftverschmutzung ins Spiel. Wenn wir Feinstaub (besonders die winzigen Partikel PM2.5) einatmen, bleiben sie nicht einfach in der Lunge. Sie sind so klein, dass sie die Barriere durchbrechen und direkt in die Blutbahn wandern. 

 

Die chemische Attacke:

 

Diese Partikel wirken im Blutkreislauf wie winzige, aggressive Rostbeschleuniger. Sie erzeugen oxidativen Stress (https://biogena.com/de-de/wissen/blog/oxidativer-stress). 

 

(Wer sich nicht mit diesem Link schlau machen möchte dem sei zumindest schnell erklärt, dass der oxidative Stress die Zellalterung beschleunigt, indem er Biomoleküle schädigt, Entzündungen fördert und Zellfunktionen beeinträchtigt. Das führt zu vorzeitigem Altern und erhöhtem Verschleiß.) Aber es kommt noch schlimmer! (So manch Person wird sich in diesem Moment mit mir die Frage stellen, was ist noch schlimmer als vorzeitiges Altern?) 

 

Aktiver Stress beschleunigt die Zellalterung, indem er DNA und Proteine schädigt, Entzündungen fördert und Zellfunktionen beeinträchtigt. 

 

Die fatale Reaktion:

 

Das Immunsystem schlägt Alarm. Es schickt "Bautrupps" (Makrophagen/Fresszellen), um den Dreck zu beseitigen. Diese Zellen fressen sich mit dem klebrigen Cholesterin-Sand voll, sterben vor Ort ab und lagern sich als kalkartige Masse in den Gefäßwänden ab (Atherosklerose).  

 

Würden wir dies nun wieder mit einem Staat vergleichen, so würde dies wohl am ehesten einer Dauerbaustelle und Straßen, die ständig von diversen Providern/Internet-Dienstanbietern aufgerissen und notdürftig geflickt werden, entsprechen. 

 

Und wieder einmal: Die Größe zählt doch. 

 

Wir alle wissen, die Baustelle in unserer Straße ist zu klein, um sich wirklich schädlich auf die genannten Systeme auszuwirken.  

 

Anders sieht es jedoch aus, wenn eine Hauptverkehrsader betroffen ist. Das würde im Körper einer Hauptschlagader, im Staat aber einer Autobahn entsprechen. Das führt nicht nur zu wartezeiten und Verzögerungen. Schlimmstenfalls führt es zu Unterversorgung wichtiger Organe. 

 

Das Fazit: 

 

Ernährung und Umweltverschmutzung arbeiten Hand in Hand am Systemkollaps. Das eine liefert das klebrige Baumaterial für die Verstopfung, das andere triggert die chronische Entzündung, den biologischen "Rost", der dafür sorgt, dass das Baumaterial überhaupt erst an den Wänden festbäckt. 

 

 

Am Ende sind sowohl Arterien in einem Körper, als auch Brücken und Straßen in einem Staat so beansprucht, dass die Arterie oder hier die Straße so marode und verengt sind, dass die Logistik zum Gehirn oder anderen Organen blockiert wird. 

 

Die Systemkrise:

 

Wenn der Fluss im Netz fehlt entspricht das Bewegungsmangel, stillgelegte Schienen und leblose Bus- und andere Verkehrswege. 

 

Ein gesundes System braucht Zirkulation.  

 

Bewegung ist wie ein ständiger, dynamischer Verkehrsfluss, der die Straßen reinigt, den Rost wegbläst und die Motoren effizient laufen lässt. Wenn die Verkehrswege eingeschränkt oder beschädigt sind führt das bei beiden Systemen zu schwerwiegenden langfristigen Folgen: 

 

Das Infrastruktur-Versagen:  

 

Wenn die Fahrradwege fehlen, die Schienennetze verrotten und alles so gebaut ist, dass man sich nur noch im starren "Ruhemodus" (im Auto) von A nach B bewegt, bricht die Dynamik zusammen. 

 

Für die arbeitende Gesellschaft wird es immer schwerer, energie- und kostenintensiver, die Arbeitsstelle zu erreichen. Für Betriebe wird der Wirtschaftsstandort immer unattraktiver, weil auch Versandkosten steigen. 

 

Vor allem geht aber dadurch auch viel Produktivität verloren. 

 

Jeder von uns kennt das! Wenn ich statt einer halben Stunde drei Stunden zur Arbeit brauche, kostet mich die Energie und ich bin bereits vor Eintreffen genervt und energielos und büße zudem Schwung und Enthusiasmus, für wirklich kreative Arbeit notwendig ist. 

 

Durch die Unterversorgung mit benötigten Ressourcen ist ein zusätzliches Problem, das der Gesellschaft, der Wirtschaft und dem Körper gleichermaßen strukturelle Schäden zufügt.

  

Die biologische Folge: 

  • Ohne den dynamischen Fluss verschlammen die Kanäle. Die Gefäße verlieren ihre Fähigkeit, sich flexibel zu weiten (Endothelfunktion), weil sie schlicht nie gefordert werden.  
  • Straßen hingegen veröden und zerfallen. 

Adipositas als Metapher für das überlastete, unkoordinierte Zentrallager 

 

Wenn Energie (Treibstoff/Baumaterial) permanent ins System hineingepumpt wird, aber durch den Bewegungsmangel kein Verbrauch stattfindet, muss die Stadt improvisieren. Sie baut riesige, ungeplante Zwischenlager direkt an den Hauptverkehrsadern. Bei Menschen entspricht dies einem Stoffwechselschaden der zu Fettablagerungen führt. Auch das ist ein Problem, das viele von uns kennen. 

 

Das Logistik-Chaos (bei Menschen oft Bauchfett).

 

Die Fettzellen sind in diesem Bild gigantische Logistikzentren, die völlig überquellen, weil das Schlagtempo fehlt, "gammelt" das Material dort vor sich hin. Das führt zu Schädlicher Dauerüberforderung des Systems: 

 

Der systemische Dauerstress:  

 

Diese überfüllten Lager senden permanent Alarmsignale (Zytokine/Entzündungsstoffe) ins städtische Netz. Das ist so, als würde der Bauhofmitarbeiter ständig Überfüllung melden, die Verantwortlichen des öffentlichen Dienstes aber nur träge oder gar nicht reagieren würden. 

 

Im Körper entspricht das einer chronischen, stille Entzündung. Sie signalisiert dem Gesamtsystem permanenten Stress, was wiederum die Gefäßwände angreift und den Blutdruck weiter nach oben treibt. 

 

Der scharfe Kontrast: 

 

Oft werden Adipositas und Bewegungsmangel als reines "Fehlverhalten des Einzelnen" dargestellt (Faule Bürger).  

 

Aber systemisch betrachtet ist es ein Strukturproblem. 

 

Wenn die Infrastruktur so gebaut ist, dass Trägheit der Standardpfad ist und minderwertiger Treibstoff an jeder Ecke billig verfüttert wird, reagiert das menschliche System nur vollkommen logisch auf eine fehlerhafte Umgebung. Das ist dann vergleichbar mit fehlender oder schlechter Infrastruktur in schwach besiedelten Gebieten. Wenn öffentliche Verkehrsmittel nur unzureichend oder gar nicht vorhanden sind, braucht jeder ein eigenes Auto. Und wenn ich schon diese bequeme, schnelle Möglichkeit habe, nutze ich das auch viel zu oft, selbst wenn mein Ziel leicht zu Fuß erreichbar wäre. 

 

Das System kollabiert nicht aus Bosheit, sondern aufgrund mangelnder Bewegungskorridoren. 

 

Es wäre so schön, wenn ich jetzt schon fertig wäre, aber jeder weiß, so einfach kanns in so komplizierten Konstrukten einfach nicht sein! 

 

Darum als Nächstes einer weiteren, oft unterschätzten Systemschädigung zu, die viele von uns vom eigenen Leib her kennen: 

 

Diabetes mellitus 

 

Wenn wir das Bild der maroden Stadt weiterzeichnen, nähern wir uns jetzt der nächsten Krankheit, ist Diabetes nicht einfach nur eine kaputte Straße. Es ist der schleichende Zusammenbruch des gesamten städtischen Energiesystems. 

 

Der totale Blackout im Energienetz 

 

Hier verzeichnet die WHO einen der dramatischsten Zuwächse überhaupt. Die Todesfallzahlen haben sich seit der Jahrtausendwende fast verdoppelt. 

 

Das Insulin als digitale Zugangscodes der Lieferanten 

 

In einer funktionierenden Stadt wird Treibstoff (Zucker/Glukose) angeliefert und von den Fabriken (Zellen) sofort verarbeitet. Das Hormon Insulin ist in diesem Bild der digitale Sicherheitsschlüssel, der die Werkstore der Fabriken öffnet, damit der Treibstoff von der Straße ins Innere gelangen kann. 

 

Die Insulinresistenz entspricht hier korrupten Codes und blockierten Werkstoren 

 

Beim Typ-2-Diabetes passiert durch die chronische Überversorgung (minderwertiger Asphalt) und den Bewegungsmangel (Stillstand im Netz) etwas Fatales: 

 

Die Werkstore sind somit Arbeit überhäuft, dass die Schlösser ausleiern, und die Schlüssel brechen. Die Fabriktore reagieren einfach nicht mehr auf den Schlüsseln. Das führt zu weitreichenden Folgen: 

 

Der Stau auf den Straßen: 

 

Die Lieferwagen (Zucker) stehen Stoßstange an Stoßstange auf den Hauptverkehrsadern (Blutbahnen), weil niemand sie mehr reinlässt. 

 

Der Hunger im Inneren: 

 

Während auf den Straßen der absolute Überfluss herrscht und die Logistikwege verstopfen, gehen in den Fabriken (Zellen) die Lichter aus, weil kein Treibstoff mehr reinkommt.  Ein paradoxer Systemzustand entwickelt sich. Verstopfung außen, Energiemangel innen. Das kann im schlimmsten Falle zu Organschäden und dem Absterben von Gliedmaßen wie z.B. Zehen führen. 

 

In einer Stadt würde dies Betriebsschließungen und mangelnden Ressourcen wegen Arbeitslosigkeit gleichkommen. 

 

Diabetes ist kein Zufall und kein Versagen, es ist das logische Ergebnis eines Systems, das auf Dauer falsch befeuert und zu wenig bewegt wurde. Wie genau das passiert, und warum es uns alle angeht, schauen wir uns in den Nächsten Blogs zu diesem Thema genauer an. 

 

Last but not least: Die industrielle Sabotage: Gifte, Gase und marode Kanäle 

 

Unsere Körper leiden wie nie zuvor in der menschlichen Geschichte unter der starken Belastung von Umweltgiften und Schadstoffen. Ein paar davon möchte ich hier im Vergleich näher betrachten. 

 

Nikotin, Teer und Benzol - Die illegale Müllverbrennung im Tunnel 

 

Tabakrauch ist in diesem Bild keine harmlose Gewohnheit, sondern so, als würde man in den zentralen Belüftungstunneln der Stadt permanent hochgiftigen Industriemüll verbrennen. 

 

Der Teer: 

 

Legt sich wie eine zähe, klebrige, schwarze Rußschicht über die gesamte Architektur. Er verklebt die Filteranlagen (Lungenbläschen) und sorgt dafür, dass der klebrige Cholesterin-Sand an den Straßenwänden noch viel schneller bombenfest backend festsitzt. 

 

Das Benzol und die Gase:

 

Diese organischen Verbindungen der Benzole stammen vor allem aus Erdölprodukten und den Abgasen des Kfz-Verkehrs, entstehen 

aber auch beim Zigarettenrauchen.

 

Das heißt, wir treffen nicht nur vor der Haustür mit Benzol in Berührung, sondern auch in der Umgebungs- und der Innen-raumluft. Etwas das kaum jemand bewusst ist, Lokal können auch Boden und Gewässer stark belastet sein, z. B. durch unbemerkte oder vernachlässigten Lecks oder unsachgemäß entsorgten Altlasten. 

 

Langer Rede kurzer Sinn, Benzole sind hochaggressive Chemikalien, die direkt die Bausubstanz angreifen.  

 

Sie wirken wie Säure auf die inneren Schutzwände der Straßen (Endothelschäden) und machen sie spröde, rissig und anfällig für den totalen Rohrbruch. 

 

Die Folgen des wesentlich kleineren Systems Mensch sind in diesem Punkt absolut vergleichbar. 

 

Das Benzol schädigt das Knochenmark, beeinträchtigt die Produktion von Blutkörperchen und Blutplättchen, führt zu Blutarmut, geschwächtem Immunsystem und erhöhtem Blutungsrisiko.Noch immer bin ich nicht fertig: 

 

Die Zerstörung grüner Inseln ist wie das Abholzen der städtischen Ruhezonen 

 

Die "grünen Inseln" des Körpers sind seine "Regenerationsflächen". 

 

Im Körper entspricht das unter anderem der Lunge, die Sauerstoff tankt, und den Ruhephasen, in denen das System Schadstoffe abbaut und die Straßen reinigt. 

 

Das Problem:  

 

Wenn diese grünen Lungen durch permanenten Smog durch Chemieabgase und Nikotin systematisch belastet und geschädigt wird, heißt das in der Übertragung, das die Regenerationsflächen abgeholzt und zubetoniert werden. Dadurch verliert die Stadt, als auch ein Körper, ihre natürliche Reinigungskraft. Es gibt keinen Smog-Filter mehr. Der Dreck bleibt im Kreislauf und zirkuliert ununterbrochen weiter und kann darum maßgeblich an der Entstehung weiterer Schäden beteiligt sein. 

 

Marode Abwasserkanäle und Fäkalgeruch als systemischer Rückstau (Das treffendste Bild für das Versagen der Entgiftungsorgane wie Niere und Darm). 

 

Handelt es sich um die Infrastrukturprobleme eines Landes oder einer Stadt, können wir uns das so vorstellen, als würden ein Chemiefrachter der Industrie (Schadstoffe aus der Umwelt) ihre giftigen Abwässer ungefiltert in die Kanäle kippen. as System läuft nicht nur über, es kontaminiert auch die unmittelbare Umgebung. 

 

Die Folgen sind auch in Einzelfällen sowohl lokal als auch für das gesamte Öko- und Wirtschaftssystem und komplexe Organismen gleichwertig. 

 

Der systemische Kollaps:

 

Wenn die Kanäle marode sind, sickert die Brühe zurück ins Grundwasser. Die Stadt fängt an, sprichwörtlich zum Himmel zu stinken (der Fäkalgeruch als Alarmsignal für die totale Überlastung). 

 

Das würde bei Menschen unbedingt Dialyse erfordern. Was ohne Dialyse passiert, kann man sehr Eindrucksvoll in Simon de Beauvoirs Roman über den Tod ihrer Schwester, "Ein sanfter Tod", nachlesen. Für alle die es nicht lesen wollen (So gut der Schreibstil, so tragisch die Geschichte): 

 

Die Gifte im System werden nicht mehr abtransportiert, sondern stauen sich zurück in die Hauptverkehrsadern. Das Blut wird toxisch, was den permanenten Entzündungszustand (den biologischen Rost) im gesamten Netz auf ein Maximum treibt. 

 

Wir sehen hier im Vergleich, dass Systemzusammenbruch, ungeachtet ob es sich um einen menschlichen Organismus oder ein großes System wie eine Stadt oder einen Staat handelt, der Systemkollaps ist nicht die Folge eines Faktors, sondern am Ende das logische Resultat einer Struktur/einrs Systemes, das 

  • unter, Dauerlast leidet (Bluthochdruck),
  • in dem die Werkstore verschlossen sind (Diabetes), 
  • die grünen Lungen abgeholzt wurden 
  • und in der die Kanäle überlaufen, 
  • während giftiger Ruß durch die Straßen zieht. 

 

Es ist der totale Systemzusammenbruch durch akutes, chronisches Wartungsdefizit auf allen Ebenen. Aber es wäre nicht einer von meinen Blogs, wenn ich mir nicht auch überlegen würde, wie man das "Worst Case" verhindern kann.

 

 

Der Sanierungsplan: Vom Krisengebiet zurück zur Smart City 

 

Hier sind die konkreten Hebel, wie wir kollabierende Systeme stabilisieren und sanieren können. 

 

Vom Akut-Einsatz bis zur langfristigen Strukturreform: 

 

Bypass UND Stent (Das Notfall-Logistik-Infrastrukturprojekt)  

 

Wenn eine Straße (Arterie) absolut dicht ist, hilft kein gutes Zureden mehr. Dann sollte möglichst schnell der Bagger anrollen. 

 

Mögliche Maßnahmen: 

 

In einem menschlichen System wird im besten Fall folgendes passieren: 

 

Es wird operativ ein Stent eingesetzt. Der wirkt dann in der Ader wie eine temporäre Tunnelstütze, die die einsturzgefährdete Röhre mechanisch stützt und offenhält. 

 

Ab und zu genügt das nicht mehr. 

 

Die Reparatur erfordert umfangreichere Maßnahmen.  

  • Bei einem Menschen wäre es nun Zeit für einen Bypass. 
  • Bei Strassen: Die ganz große Baustelle 

Wir bauen eine komplett neue, oberirdische Umgehungsstraße um den totalen Verkehrskollaps herum, damit der logistische Nachschub (Sauerstoff) das Viertel überhaupt noch erreicht. 

 

Der systemische Haken: 

 

Das rettet akut Leben, repariert aber nicht die Ursache. Wenn wir danach weiter Dreck auf die Straße kippen, verstopft auch die Umgehungsstraße.

 

Wenn man den illegalen Müllverbrennungsofen (das Rauchen) nicht von heute auf morgen komplett abreißen und stilllegen kann, weil sonst die Arbeiter streiken (Entzugssymptome), braucht es eine kontrollierte Übergangsphase.

 

 

Die Maßnahme: 

 

Das Nikotinpflaster ist wie ein schrittweiser Ausstieg aus der Schwerindustrie. Wir filtern den giftigen, klebrigen Ruß (Teer) und die aggressiven Gase (Benzol) sofort komplett aus dem System. 

 

Der Körper bekommt nur noch den reinen, kontrollierten "Treibstoff" (Nikotin) in abnehmender Dosis, damit die Straßenwände endlich aufhören zu brennen und die Filteranlagen (Lunge) mit der Selbstreinigung beginnen können. 

 

Aber Vorsicht!

 

Gerade bei Sucht ist nicht die Abhängigkeit das einzige Problem. Gerade hier spielt Gewohnheit eine maßgebliche Rolle. So, als würde ein Beamter sich weigern, der veränderten Gesetzgebung gerecht zu werden, weil das eine Änderung des Weltbildes erfordern würde und die bereits verfestigten Blutleitungen für Veränderungen nicht mehr flexibel genug sind. 

 

Die psychologische Ebene (Der Beamte und das Weltbild) 

 

Sucht ist selten nur die reine Substanzabhängigkeit; sie ist ein tief eingeschliffenes Verhaltensmuster, das als Bewältigungs- oder Regulationsmechanismus dient. Der "Beamte" in meinem Gleichnis arbeitet nach einem uralten Dienstweg, der irgendwann einmal gelernt wurde, um das System stabil zu halten (z. B. Stressabbau oder emotionale Betäubung). 

 

Wenn sich nun die "Gesetzgebung" ändert, das heißt, wenn der Verstand oder die Lebensumstände sagen:"Das schadet uns, wir müssen damit aufhören", weigert sich die Gewohnheit, das zu akzeptieren. Sie müsste sonst zugeben, dass die alte Strategie fehlerhaft ist, was eine fundamentale Erschütterung des inneren Systems bedeuten würde. Es ist der klassische Widerstand gegen den Systemwandel. 

 

Die biologische Ebene (Die verfestigten Blutleitungen) 

 

Hier wird das Bild von den unflexiblen Leitungen sogar neurobiologisch greifbar. 

 

Wenn wir von "Leitungen" sprechen, können wir das direkt mit den Nervenbahnen im Gehirn vergleichen:

 

Die Autobahn der Gewohnheit: 

 

Durch die ständige Wiederholung des Suchtverhaltens bilden sich im Gehirn extrem dicke, hocheffiziente neuronale Pfade (vergleichbar mit einer betonierten Datenautobahn). Das Gehirn liebt Effizienz und wählt automatisch immer den Weg des geringsten Widerstands. Das Nervensystem verliert bei anhaltender Sucht ein Stück seiner plastischen Flexibilität. Das System wird starr und kann nicht mehr flexibel auf veränderte Anforderungen reagieren und wird langfristig immer weniger funktionsfähig werden. 

 

Der Trampelpfad der Veränderung:

 

Ein neues, gesundes Verhalten ist anfangs nur ein schwacher, mühsamer Trampelpfad. Die Synapsen sind in den alten Mustern so starr "verdrahtet", dass eine Verhaltensänderung für jedes System echte biologische Schwerstarbeit bedeutet. 

 

Systemischer Fehler-Check:

 

Das beschreibt bedauerlicherweise präzise das Dilemma jeder Transformation:  

 

Das Altsystem (die Gewohnheit) verteidigt seine Existenzberechtigung gegen die neue Vernunft (die veränderte Gesetzgebung), weil der Umbau des Netzwerks Energie kostet und Angst vor Kontrollverlust erzeugt. 

 

Die reine Abhängigkeit von einer Substanz ist oft nach einigen Tagen oder Wochen körperlich überstanden, ein Gesetz meist innerhalb weniger Monate verabschiedet. 

 

Aber die "Bürokratie der Gewohnheit" und die sturen, alten Leitungen im Hintergrund sind das, was den Rückfall provoziert.

  

Doch lasst uns noch nach weiteren Lösungen suchen: 

 

Blutdrucksenker entsprechen temporären Geschwindigkeitsbegrenzung und Lkw-Maut 

 

Wenn die Brücken (Gefäßwände) Haarrisse zeigen, müssen wir sofort den Druck reduzieren. 

 

Die Maßnahme: 

 

Wir verhängen ein Tempolimit und verlangsamen den Rhythmus, so dass die Organe weniger belastet und verschleißt werden.  (Medikamente weiten die Gefäße und entlasten das Herz). Das nimmt die akute Zerreißprobe von der Architektur und gibt den Bautrupps im Inneren die nötige Atempause, um die Risse in den Wänden in Ruhe zu kitten. 

 

Ernährungsumstellung und Bewegung als großes Entsiegelungs- und Reinigungsprogramm 

 

Das entspricht der  langfristigen, strukturelle Kehrtwende der Stadtplanung. 

 

Die nächste Maßnahme:

 

Wir stoppen die Zufuhr von klebrigem Billig-Asphalt (Wechsel auf gesunde Fette und Ballaststoffe). Gleichzeitig werfen wir die Kehrmaschinen an und re-aktivieren die stillgelegten Schienenwege (Bewegung). 

 

Das fegt den losen Cholesterin-Sand von der Fahrbahn, bevor er festbacken kann, und verbrennt die überschüssigen, gammelnden Vorräte in den überquellenden Zentrallagern (Adipositas). Das System kommt wieder in den Fluss. 

 

Natürlich, wie in der Einleitung, greift das Problem noch viel tiefer. Wir können weder eine Stadt, noch einen Staat und auch keinen Körper an einem Tag komplett neu bauen. 

 

Aber wir sollten aufhören, sie aktiv zu sabotieren. Jedes Pflaster, jedes weggelassene Gramm "Rostbeschleuniger" und jede kleine Reaktivierung einer grünen Insel ist eine Investition in den Systemerhalt. 

 

Genug für heute. Im nächsten Blog werde ich weiter versuchen, wo sich Systeme so ähnlich sind, dass man die Ursachen von Schäden anschaulich und leicht erklären kann. 

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