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Steingewordene Erinnerung, oder was alte Architektur über Klimaanpassung weiß und wir wir es für würdevollen Katastrophenschutz nützen können.

 

Beim EXPeditionsBaseCamp der University of Sussex ging es um Klimaanpassung. Meines Erachtens eine der wichtigsten Fragen unserer Zeit. 

 

Wie und wo können Menschen in Würde in einer Umwelt leben, in der Wetterxtreme die Norm werden?

 

Das größte Problem bei der Lösung dieser Frage sehe ich an einer Bruchstelle, die symptomatisch für unsere hochspezialisierte Gesellschaft ist. 

 

Wir haben großartige Forscher die Ursachen benennen und Fragen beantworten können. Aber Städte werden nun mal von Menschen erbaut, die Lösungen brauchen die einfach und ohne tiefe Erklärungen umzusetzen sind.

 

Die Kluft zwischen Theorie und Baustelle ist einfach zu groß. Darum versuche ich wieder mal, die beiden Seiten dieser Medaille wieder etwas näher zusammenzurücken. 

 

Viele gute Fragen... 

 

Einer der Kerngedanken im Panel als eine der anfänglich schnellste und am leichtest scheinende Lösung auftauchte, war der Gedanke an Migration. So nahe dieser Gedanke liegen mag, er birgt Tücken. 

 

Migration als würdevolle Entscheidung kommt nicht immer und nicht für jeden in Frage. 

 

Um zu verstehen, warum Migration allein keine ausreichende Antwort ist, lohnt ein Blick in die Geschichte. 

 

Wir alle kennen den Spruch: "Heimat ist da, wo die Liebsten sind."

 

Die Idee, jene die man liebt und die den sozialen Bezugsrahmen bilden zu verlassen, ist oft keine freiwillige und nur selten eine leichte Wahl. Oft ist es nicht die Entscheidung zwischen gut und schlecht, sondern zwischen zwei Arten von Verlust. 

 

Menschen leben nicht nur an Orten in verschieden großen Ansiedlungen, sondern sie leben als hochsoziale Wesen in sichernden Gemeinschaften. 

 

Das ist aber nicht der einzige Grund, warum Migration für viele Menschen keine Option ist.

 

Um Migration mit Erfolg bewerkstelligen zu können, ist mehr als Bildung und finanzielle Möglichkeit erforderlich.

 

Es müssen die Möglichkeiten und Raum zur Entfaltung in Würde im Gastland geboten werden die soziale Interaktion

 

fördern, ohne private Freiräume zu eliminieren. 

 

Wenn Flucht vor den Umständen nicht die Lösung birgt, lohnt sich das Weiterdenken. 

 

Die Antworten liegen oft nicht in völlig neuen Erfindungen. Sie liegen darin, bewährtes Wissen mit moderner Technik zu verbinden. 

 

Wir alle haben in den letzten Jahren erfahren, vor welche Herausforderungen Migration sowohl das Gastland als auch jene stellt, die um Aufnahme bitten. 

 

Lasst uns das Problem nicht nur aus der aktuellen Situation heraus betrachten. 

 

Immerhin war Migration schon immer ein Menschheitsproblem, dass instabile Systeme durch Migrationsbewegungen unter Druck geraten, weil ihre eigene "Funktionswürde" bereits erodiert ist.

 

Bedenkt nur, das Römische Reich, das in seiner zerrütteten aufgeblähten Funktion dem Sturm der Goten nicht mehr Stand halten konnte, ist kein Einzelfall. 

 

Das Byzantinische Reich, das über Jahrhunderte aufblühte, geriet durch turkmenische und slawische Wanderungsbewegungen unter Druck, auch wenn der Fall sich über Jahrhunderte hinzog.

 

Amerikanischen Ureinwohner können, ebenso wie die Aborigines in Australien, noch heute traurige Lieder singen, wie Kolonisation und Einwanderung nachhaltig über Jahrhunderte ihre Kultur beeinflussten. 

 

Der Blick nach vorne 

 

Ich merke schon, ich beginne hier ein unvollständiges und einseitiges Bild zu zeichnen, das nur klagt und keine Lösungen und Vorteile aufzeigt. Das ist wie immer nur die halbe Wahrheit. 

 

Immigration brachte oft nicht nur Schaden, sondern auch Entwicklung und Fortschritt. 

 

(Es gibt wohl genug Leser die die Frage die in "das Leben des Brian" gestellt wird, nicht zumindest rudimentär beantworten kann:

 

"Was haben die Römer jemals für uns getan?"... 

 

 die Antworten bringen uns alle zum Lachen, und zum Nachdenken.) 

 

Doch darüber machen wir uns in einem anderen Blog Gedanken. Lasst uns zu unserer ursprünglichen Fragestellung zurückkehren.

 

Wie schon angesprochen war Immigration und Völkerwanderung schon immer Teil der Lösung zu Klimawandel und Ressourcenmangel. 

 

Längst bieten sich andere Chancen um Leben auch in Krisenzeiten würdevoll gestalten zu können 

 

Was vor tausend Jahren noch die einzige Möglichkeit war um zu überleben, ist in einer globalisierten Welt in der wir heute Leben, nicht mehr die Beste, und vor allem nicht mehr die einzige Möglichkeit.

 

Denn im Gegensatz zu einer Welt vor tausend Jahren haben wir heute etwas von dem unsere Vorfahren nur träumen konnten. Um die Antworten zu finden, müssen wir uns nur wachsam umblicken. 

 

Die steingewordenen Erinnerungen an gesammeltes Wissen. 

 

Die Antworten, die gesucht werden, gibt es längst. Nicht als Theorie, sondern als begehbare, bewohnte Architektur.

 

Um Inspiration zu finden, lohnt sich der Blick auf das, was sie eigentlich lösen mussten, um Lösungen für die Probleme im Heute zu finden. 

 

Von welchen Herausforderungen reden wir hier genau? 

  • Hitze / Extremtemperaturen
  • Kälte / Extremkälte
  • Starkregen / Hochwasser
  • Wasserknappheit
  • Stürme / Tornados
  • Muren / Erdrutsche / Hangstabilität
  • Erdbeben
  • Waldbrände
  • Meeresspiegelanstieg / Küstenerosion
  • Verdichtung / Wohnraum
  • Gesellschaftliche Isolation
  • Abwasser und Unrat 

Ich hoffe, ihr verzeiht mir, dass ich Kometen und Vulkane genau so wenig berücksichtige, wie Springfluten, Nahrungsversorgung und Godzilla. 

 

Die Antworten gauf diese Fragen gibt es schon lange, denn diese Herausforderungen sind für die Menschheit nicht neu, auch wenn uns das aufgrund der Geschwindigkeit und Heftigkeit der aktuellen Ereignisse so scheinen mag. 

 

Schon vor Jahrtausenden kämpften unsere Vorfahren gegen extreme Wetterbedingungen und hielten ihr Wissen in der Bauweise ihrer Städte fest. 

 

Lebende Architektur als Schatzkiste an Wissen: 

 

Städte und Ansiedlungen speichern in ihrer Architektur nicht nur Wissen, sondern Empfindung, Geschichte, gelebte Lösung und soziale Strategien. 

 

Stetiges Werden und Entwicklung 

 

Wenn wir die Architektur die in den unterschiedlichsten Gegenden den Naturgewalten trotzen genauer ansehen, können wir erkennen, das die jeweiligen Bauweisen alle Bedürfnisse der Bewohner möglichst effizient gerecht werden muss. Es genügt nicht, wenn ein Haus Erdbebensicher ist aber kein soziales Leben ermöglicht. 

 

Wir müssen nicht nach Lösungen suchen, sondern uns nur auf das besinnen, was wir schon lange haben, und es mit neuem Wissen ergänzen. 

 

Schauen wir uns an, wie die Bevölkerung die Möglichkeiten eigenständig und ihren kulturellen Eigenheiten entsprechend umsetzen können, ohne aus jeder baulichen Entscheidung einen Staatsakt zu machen. 

 

Selbst beste staatlicher Kontrolle kann uns nicht vor Naturgewalten schützen. Stets müssen wir damit rechnen, dass Hilfsmaßnahmen erst spät kommen oder unzureichend koordiniert sind. 

 

Statt Leid zu verhindern oder zu mildern kann es sich dadurch sogar noch mehren oder hinauszögern. Nur auf Hilfe zu warten, kann Leben und Gesundheit der Betroffenen kosten. 

 

Hilfe zur Selbsthilfe 

 

Es reicht nicht aus Hilfe zu versprechen, wenn die Katastrophe schon eingetroffen ist. Stattdessen müssten den Bürgern unaufgeregt Mittel und Wege nahegebracht werden, selbst Initiative zu ergreifen. 

 

Die einfachste und nachhaltigste Möglichkeit sich gegen unausweichliches zu wappnen, ist eine nachhaltige und sichere Architektur. 

 

Wer sich aus welchen Gründen auch immer, gegen die sicherere Bauweise entscheidet, wird das im Ernstfall die Konsequenzen tragen müssen.

  

Aber wäre es dem Menschen an immer möglich rein rational zu handeln, hätten wir vielleicht das verloren, was uns ausmacht. Darum kann man nicht pauschal am Intellekt zweifeln, wenn Menschen, scheinbar wider alle Vernunft, nicht bereit sind ihre Heimat, ihre Wurzeln, einfach so zu verlassen.

 

 

Die Weigerung zu migrieren kann einerseits das Resultat des freien Willens sein, den es zu respektieren gilt. Aber so wie Menschen aus Heimatliebe bleiben wollen, gibt es auch Orte, an denen das das System versagt, wo Menschen aus Armut im Risiko gefangen sind. 

 

Hier braucht es keine Kontrolle von oben. Das regelt sich, so bedauerlich und grausam es scheinen mag, von selbst, im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten. Doch meist nur auf Kosten von Würde, Selbstbestimmung und physischer und körperlicher Gesundheit. 

 

Die Suche nach Lösungen 

 

Um Lösungen zu finden, müssen wir uns darum den Städten und Orten zuwenden, in denen genau das Problem um das es geht, schon seit Jahrhunderten besteht.

 

Es gibt einige Bauformen, die immer wieder, Gelände und klimaunabhängig auftauchen und darum unsere besondere Beachtung verdienen. Ich pick mir zur Verdeutlichung immer wieder kehrende Baumerkmale heraus. Wir brauchen mehr als nur funktionale Wohnstätten. 

 

Architektur die mehr abdeckt als nur Unterbringung

 

Die Wetterphänomene die überall auf der Welt recht gleichmäßig auftaucht, sind Hitze und Trockenheit. 

 

Hitze ist auf der ganzen Welt ein Begriff, wenngleich die Hitzetoleranz vor allem durch Akklimatisierung (Lebenslange Gewöhnung, physiologische Anpassung über Zeit), entsteht und nach Neigung sehr unterschiedlich sein kann. 

 

Während ein Norweger wohl bei 30 Grad dem Kreislaufzusammenbruch nahe ist, überlegt sich ein Bewohner Mittelafrikas, ob er nicht noch eine Jacke überziehen sollte, weil der Wind geht. 

 

Aber unsere Vorfahren wussten sich zu helfen.

 

Es gibt mehrere Bauformen, die besonders geeignet sind, um beiden Umwelteinflüssen zu trotzen. 

 

Eine der häufigst Vorkommenden ist das Atrium. Wir finden es nicht nur in der römischen Villa oder der Alhambra. Jedes Kloster, so wie viele Burgen verfügen über Wandelgänge. 

 

Das dahinterstehende Prinzip gilt ebenso für den bayerischen Vierseithof wie für den minoischen Tempel.

 

Geschützt im Innenbereich zwischen den Bauten befanden sich oft Teiche, Springbrunnen oder Zisternen, um einerseits Wasser zu sammeln, und andererseits Kühlung durch Verdunstung zu ermöglichen. 

 

Zusammen mit Pflanzen bildet sich darum in diesem nahezu geschlossenen Bereichen ein Geschützes Mikroklima das

 

Zusammenkünfte der Gemeinschaft und Tätigkeiten außerhalb der Räumlichkeiten gestatten. Aber alles einfach ohne Prüfung zu übernehmen ist zu kurz gedacht.

  

Schwierig wird diese Art der Architektur, wenn die aneinander angrenzenden Bauten zu hoch werden.

 

 

Das kann dubiose, soziologische Phänomene hervorrufen, wie Sergej Lukianenko sie in seinem Buch "Die Ritter der vierzig Inseln" beschreibt, und kann zu Problematiken wie Fraktionierung, Gruppenkonflikte und Territorialdenken führen.

 

Hier muss die Bauweise so abgestimmt werden, dass sowohl geschützte Innenräume, aber gleichzeitig keine isolierten Bereiche entstehen. 

 

Doch es gibt noch eine weitere, sehr einfache Möglichkeit sowohl Konfliktbereitschaft als auch Klima positiv zu beeinflussen: 

 

Umfangreiche Begrünung. 

 

Urban Gardening auf Flachdächern ist nur eine Möglichkeit. Eine andere, wie zum Beispiel in Rom, viele öffentliche Brunnen.  Zwischen mehr oder weniger engen Gassen, mit deren Anordnung die Luftversorgung geregelt werden kann, kann so den Hitzestaus über Großstädten positiv entgegengewirkt werden. Zudem wirken sich Brunnen und zugängliche Wasserflächen beruhigend und harmonierend aus. Die Senkung der Temperatur um mehrere Grad bei solchen Maßnahmen, ist bereits wissenschaftlich erwiesen und belegt.

  

Auch der Bauplan und der Straßenverkauf der Ansiedlung hat Einfluss auf die Temperatur. Doch welchen Effekt wollen wir erzielen? Denn danach werden wir uns richten müssen, wie wir unsere Straßen anlegen. 

  

Ständiger Wind oder kontinuierliche Kühlung?  

 

Wollen wir druch geradlinige, gerasterte Straßenführung andauernde, mitunter auch heftige Luftbewegung wie in San Franzisko oder N.Y., oder engere, sich kreuzende und überlappenden Gassen, di Schatten spenden und da sich das Baumaterial nicht so aufheizen kann, auch besser Feuchtigkeit hält, so wie in vielen historische gewachsenen Städten, wie Neapel oder München, wo es ständig kühl und such bei hohen Temperaturen noch kühle Orte zu finden sind. 

 

Doch egal wie eine Stadt gewachsen ist und wie groß die Bereitschaft zur Veränderung ist, so gibt es noch viele kleine, aber wirksame Schritte, die in der Verantwortung der Bevölkerung liegen. 

 

Kleingärten mit Wasserstellen und Wildflächen für Insekten und Wildtiere sind sowohl für Klima und Natur, als auch für Nutzen und zur Erholung für Menschen von größter Wichtigkeit. 

 

Die Produktivität des Menschen entfaltet sich am besten unter Umständen die man bei Tieren als "Artgerechte Haltung" definieren würde. Dazu zählen unter anderem 

 

Bestimmte Voraussetzungen: 

  • generationsübergreifender sozialen Kontakte 
  • die Erreichbarkeit von Markt- und Sozialplätzen
  • wie Parks,
  • Spielplätze und
  • öffentlichen Sportstätten für Jung und Alt. 

Aber dies ist schon wieder zu viel. Ich weiche ab. Darum mache ich mir darüber wohl in einem anderen Blog Gedanken. 

 

Grünflächen können nicht nur horizontal, sondern auch vertikal sein.

 

Aber egal in welcher Ausrichtung, solche Projekte ermöglichen langfristigen Anbau resistenter älterer Obst-und Gemüssesorten. 

 

Begrünung und Bewässerung der Häuser:

 

einerseits auf den Dächern, aber auch durch dieUmgestaltung horizontaler Wandflächen könnte Bewässerung kontrolliert automatische erfolgen. Dazu kann man Zisternen und Selbstversorgung durch Aussenklima ((Tau/Regen/Schnee) durch Aussenklima weitgehend selbstversorgend gestalten. 

 

Eine der wichtigsten Fragen bei der Planung von Städten ist die Infrastruktur. 

 

Bis wir in der Lage sind, statt mit schweren Elektroautos mit leichten, luftgestützten Fahrzeugen grundschonend durch die Luft zu reisen, müssen wir auf andere, wirtschaftlichere und umweltfreundlichere Möglichkeiten zurückgreifen.

 

(Wenn Fahrzeuge in der Luft statt auf Rädern unterwegs sind, braucht es keine durchgängig asphaltierten Straßen, und die Flächen könnten stattdessen begrünt, versickerungsfähig oder anderweitig genutzt werden.) 

 

Das Schöne, viele dieser benötigten Erfindungen gibt es bereits. Nicht in Deutschland, aber in vielen anderen Ländern gibt es Züge und Busse die als Schnelltransportmittel mit angenehmen Bedingungen umweltfreundlich in engem Netz Mobilität garantieren.

 

(In manchen europäischen Ländern sogar kostenlos, oder sehr billig, teils weit über der Erde schwebend wie in Tokio, oder unterirdisch wie in der Metro.) 

 

Heikel, weil lebenswichtig: Wasserspeicherung 

 

Unsere Vorfahren waren große Meister und bewiesen Erfindungsreichtum im Umgang mit Frisch- und Abwassersystemen. Sie fanden elegante Möglichkeiten Trink- und Brauchwasser, im Rahmen von Hygiene ermöglichender Einrichtungen bereit zu stellen. 

 

Mangel und Mängel an der Wasserqualität waren schon immer häufige Ursache von Massensterben. 

 

Wenn wir also nicht nur ausweichen, sondern bleiben wollen, stellt sich die nächste Frage: Welche Lösungen haben Menschen bereits entwickelt? 

 

Wie man Wasser sammeln und bis zum Verbrauch frisch halten kann, das frage man einen Zisterzienser, erklärte mir einst ein Mönch. 

 

Das ist tatsächlich eines der Beispiele für systemisches Denken in der, an sich schon beeindruckenden gesamten Architekturgeschichte.

 

Die Zisterzienser lösten Wasser nicht als einzelnes Problem, sondern als durchdachtes Gesamtsystem, das mehrere Funktionen gleichzeitig bediente. 

 

Kloster Maulbronn 

 

(Weltkulturerbe, sehr gut erhalten, https://www.kloster-maulbronn.de/wissenswert-amuesant/dossiers/wasserwirtschaft) ist das Paradebeispiel: 

 

Die Mönche leiteten einen Bach durch eine komplexe Kaskade von Kanälen, die sequenziell durch die ganze Anlage führten:

 

erst durch die Fischteiche (Nahrung),dann zur Mühle (Kraftquelle für Getreidemahlen), dann zum Waschhaus (Hygiene),

 

dann zu den Werkstätten (Handwerk, Kühlung für Schmiede),und am Ende erst ins Abwasser. 

 

Jede Nutzung war auf die nächste abgestimmt. Das Wasser wurde nicht einmal verbraucht, sondern kaskadenartig mehrfach genutzt, bevor es die Anlage wieder verließ. 

 

Das Prinzip dahinter: 

 

Wasser als zirkulierendes System, nicht als lineares Verbrauchsgut. Genau das Gegenteil von unserem modernen Modell (Wasser kommt rein, wird einmal genutzt, geht als Abwasser raus).

 

Die Zisterzienser bauten ihre Klöster oft bewusst an Flussbiegungen oder mit künstlich angelegten Umleitungen, um genau diese Kaskadenwirkung zu erzeugen. Das war Standortwahl als Systemplanung, nicht Zufall.

 

Die Mönchsregel selbst (Ora et labora) spiegelt sich im Wassersystem:  

  • Reinigung (geistlich UND körperlich),
  • Arbeit (Mühle, Handwerk),
  • Selbstversorgung (Fischteiche).  

 Die Architektur bildet die Lebensphilosophie und den damit verbundenen Respekt vor Natur und Gegebenheit ab. 

 

Andere Kulturen - andere Lösungen 

 

Das es auch noch anders geht, sehen wir an den folgenden, willkürlich unter vielen ausgewählten Beispielen: 

 

Petra (Nabatäer, Jordanien) – Wüstenklima mit extremen Niederschlagsschwankungen: 

 

Die Nabatäer bauten ein System aus Dämmen, Zisternen und über 200 Kilometer Tonrohrleitungen, das Regenwasser aus seltenen, aber heftigen Wüstenregenfällen auffing, speicherte und über Trockenzeiten verteilte. 

 

Besonders raffiniert:

 

Sie konnten damit sogar Plansprünge in der Wasserversorgung für zehntausende Einwohner in einer der trockensten Regionen der Welt bewältigen. 

 

Angkor Wat / Angkor (Khmer-Reich, Kambodscha): 

 

Ein tropisches Monsunklima mit Extremen zwischen Überflutung und Trockenheit: 

 

Die Khmer bauten ein gigantisches Netz aus Barays (künstliche Stauseen, teils mehrere Kilometer lang), Kanälen und Gräben, das Regenwasser aus der Monsunzeit speicherte und in Trockenzeiten für Landwirtschaft und Trinkwasser freigab.

 

Die gesamte Stadt Angkor war im Grunde eine hydraulische Stadt. Manche Forscher sehen im Kollaps dieses Wassersystems sogar einen Hauptgrund für den späteren Niedergang der Stadt. 

 

Machu Picchu (Inka, Peru): Extrem steile Hanglage in den Anden mit hoher Niederschlagsmenge: 

 

Die Inka bauten ein System aus Kanälen, Terrassen und über einem Dutzend Brunnen, das Quellwasser vom Berg gezielt durch die ganze Anlage leitete. 

  

Gleichzeitig diente das System der Bewässerung der Terrassenfelder UND der Entwässerung bei Starkregen, um Erdrutsche auf dem steilen Gelände zu verhindern. 

 

Auch hier:

 

eine Lösung für zwei Probleme gleichzeitig (Wasserversorgung und Hangstabilität). 

 

Alle drei Lösungsansätze zeigen dieselbe Meisterschaft wie Maulbronn. Wasser wird nicht bekämpft oder nur "entsorgt", sondern als Ressource in einem durchdachten Kreislauf geführt. Alle diese Planungssysteme haben einen entscheidenden Vorteil gegenüber unseren heutigen Städten, die im Katastrophenfall schnell zur Todesfallen werden können: 

 

Sie brauchen keinen Strom, um zu funktionieren. 

 

Dasselbe gilt auch für Abwässer Systeme, wobei ich aus Gründen meiner Erziehung die Minoischen Toiletten den römischen Gemeinschaftstoiletten vorziehen würde. 

 

Auch lebensnotwendig: Soziales Miteinander 

 

Je heterogener ein System ist, um so resilienter ist es.

 

Wir alle wissen, Monokultur macht anfällig. Wir sehen das ebenso an überzüchteten Rassehunden, wie an Bananen. 

 

Gesunde Systeme brauchen Vielfalt. 

 

Damit meine ich auch das soziale Zusammenleben von Jung und Alt. Wohnanlagen sollten im Idealfall den Bewegungsdrang und die Möglichkeiten aller Altersklassen berücksichtigen und das Zusammensein auf öffentlichen Plätzen einladend machen, so wie es in südlichen Ländern ganz normal ist. 

 

Im Idealfall ist ein Mindestmaß an regionalem Handel, wie beispielsweise Wochenmärkte gegeben, um im Falle einer Krise dezentral versorgt werden zu können. 

 

Je mehr ich mich mit all diesen Fragen beschäftige, je mehr Information ich finde und verknüpfe, umso klarer wird mir, wie sehr ich noch an der Oberfläche plantsche. 

 

Noch so viel bleibt zu klären. 

 

Noch längst sind nicht alle Ideen, wie Städte Katastrophen und Unwägbarkeiten trotzen, und mit, nicht gegen die Natur und Landschaft, von Menschen für Menschen, bauen. 

 

In weiteren Blogs können wir später mal gemeinsam darüber nachdenken, welche Beispiele wir finden, die zeigen wie Ansiedlungen sich vor Katastrophen schützen könnten, und das moderne Architektur bereits in großen Städten, wie z.B. Toronto, keine Zukunftsmusik, sondern längst Realität ist.

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