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Gemeinsam gegen die Mogelpackung: Warum unser Kaufverhalten die Welt verändert

Im diesjährigen Global Risk Report 2025 steht das Thema Umweltverschmutzung an erst an zehnter Stelle des langfristigen Risiko-Rankings (10-Jahres-Perspektive). 

 

Die Altersgruppe unter 30 Jahren stuft Umweltverschmutzung sogar auf Platz 3 der langfristigen Risiken ein. In dieser Hinsicht ist mein Kopf wohl jünger als mein Körper? 

 

Um was geht es hier genau? 

 

Der Report betont, dass bei aktuellen Trends bis zu 23 Millionen Tonnen Plastikmüll jährlich in die Wassersysteme der Welt gelangen (World Population Review) und dass die Plastikverschmutzung eine der dringendsten Umweltherausforderungen unserer Zeit darstellt. 

 

Kürzlich scheiterte ein internationales Treffen zur Bekämpfung der Plastikverschmutzung in Genf.  Vom 5. bis 14. August 2025 versammelten sich Vertreter von 184 Ländern, um einen globalen Vertrag zu verabschieden.  Doch trotz intensiver Verhandlungen konnte keine Einigung erzielt werden. 

 

Warum scheiterte der Vertrag?

  

Der Hauptstreitpunkt war die Frage, ob die Produktion von Plastik begrenzt werden sollte.  Viele Länder, darunter die USA, Saudi-Arabien und Kuwait, lehnten verbindliche Produktionsobergrenzen ab und bevorzugten stattdessen freiwillige Maßnahmen wie Recycling und Produktdesignverbesserungen. 

 

Im Gegensatz dazu forderten über 100 Staaten, darunter die EU, Tuvalu und Uganda, strengere Kontrollen über die gesamte Lebensdauer von Plastik, einschließlich Produktionsobergrenzen und Verbote von giftigen Chemikalien. 

 

Einfluss von Lobbyisten der Petrochemie 

 

Ein Faktor war der starke Einfluss der petrochemischen Industrie. Laut Berichten waren bei den Verhandlungen mehr als 220 Lobbyisten der Kunststoffindustrie anwesend, mehr als die Delegierten der EU-Staaten und Lateinamerikas zusammen.  Unternehmen wie ExxonMobil und Dow Chemical waren besonders stark vertreten. 

 

Nun fragt sich ein Normaler Mensch wie ich natürlich, was soll das? Welches Interesse hat die Petrochemie daran, dass wir nichts gegen Plastikmüll unternehmen, und wie setzt sie ihre Interessen durch? 

 

Ursachen für zunehmende Verschmutzung laut Global Risk Report 2025: Plastikproduktion und - Verschwendung 

 

Jedes Jahr produziert die Welt über 430 Millionen Tonnen Plastik, aber nur etwa 9% werden recycelt. Dies führt dazu, dass jährlich etwa 19 Millionen Tonnen Plastikmüll in unsere Umwelt gelangen.  (World Economic Forum) 

 

Von diesen 19 Millionen Tonnen kontaminieren 13 Millionen Tonnen unser Land und 6 Millionen Tonnen fließen in Flüsse und Küstengebiete und erreichen schließlich unsere Ozeane. Das entspricht einem Müllwagen, der jede Minute seine Ladung ablässt.  (World Economic Forum) 

 

Niedrige Recycling-Raten 

 

Jedes Jahr wird weltweit 400 Millionen Tonnen Plastik produziert. Die Hälfte dieses Plastiks ist nur für den einmaligen Gebrauch bestimmt, und nur 10 Prozent werden recycelt. 

 

Fossile Brennstoffe als Grundursache 

 

Durch die ergänzenden Recherchen wird deutlich: 

 

Etwa 98% der heute produzierten Einwegkunststoffe (meist Verpackungsmaterial und Einweg-Flüssigkeitbehälter) werden aus petrochemischen Produkten hergestellt. Vereinfacht: Komponenten, die aus Öl und Gas gewonnen werden. 

 

Die Gewinnung und der Transport dieser fossilen Brennstoffe sowie die Herstellung und Entsorgung von Kunststoffen erzeugen alle Kohlenstoffemissionen, die für die globale Erwärmung verantwortlich sind.  (World Economic Forum) 

 

Zunehmend erkennt die Weltbevölkerung die Dringlichkeit etwas zu ändern. 

 

Sichtbarkeit als Bewusstseinsauslöser: 

 

Plastikverschmutzung als greifbare Manifestation der Umweltzerstörung hat das öffentliche Bewusstsein und die Dringlichkeit erhöht. 

 

Einzelpersonen begegnen Plastikmüll in ihrer Umgebung, von städtischen Gebieten bis zu abgelegenen Naturlandschaften, was das Problem sowohl persönlich als auch allgegenwärtig macht.  (World Economic Forum) Plastikmüll liegt überall, und wir können ihn einfach nicht mehr übersehen. 

 

Die "dreifache Planetenkrise": 

 

 Es gibt ein tieferes Verständnis der Vernetzung zwischen Verschmutzung, Klimawandel und Biodiversitätsverlust - Komponenten der "dreifachen Planetenkrise", die von den Vereinten Nationen identifiziert wurde.  (World Economic Forum) 

 

Ich kann ein Problem nur dann lösen, wenn ich die Ursachen identifiziert habe. 

 

Jedem von uns ist klar, die Erdölindustrie ist mächtig. Aber es gibt einen Industriezweig der ohne dass wir es bemerken weltweit noch sehr viel mehr Einfluss auf unser Verhalten hat: Die Lebensmittelindustrie! 

 

Keine Wahl? Wirklich?

 

Essen muss jeder, auf der ganzen Welt. Viele der Lebensmittel die wir im Supermarkt finden, gibt es auf der ganzen Welt. Und mit ihnen Mogelpackungen. 

 

Packungen die weitaus größer sind als der Inhalt erfordern würde. Sie sollen dem Verbraucher den Eindruck vermitteln, er habe ein gutes, oder zumindest faires Angebot erhalten. 

 

Irgendwie spüren wir alle, dass da etwas nicht stimmt! 

 

Mit raffinierten Tricks steuern wenigen Großkonzerne das weltweite Konsumverhalten und beeinflussen so auch die Produktion von Nahrung und Verpackung, ohne Rücksicht auf Natur und Umwelt. 

 

Die vielfachen unlauteren Tricks, von denen unsinnig große Verpackung nur einer sind, zu , nehmen sie Einfluss auf unser Kaufverhalten. 

 

Lobbyarbeit beeinflusst letztendlich nicht nur Regierungen, sondern auch unser Konsumverhalten! 

 

Unser großer Irrtum: 

 

Natürlich wird uns glauben gemacht, wir als Verbraucher könnten daran nichts ändern und wären hilflos jeglicher Manipulation ausgeliefert. 

 

Aber das stimmt nicht! 

 

Es gibt zahlreiche Belege dafür das Verbraucher die alle das gleiche Interesse Vertreten, sehr wohl die Möglichkeit haben, auch den größten Konzern in die Knie zu zwingen. 

 

Hier nur ein paar wenige Beispiele, die unsere Macht als Verbraucher belegen: 

 

McDonald’s – Druck durch Gesundheit & Nachhaltigkeit  

  • 2004: Nach dem Film Super Size Me streicht McDonald’s die Supersize-Portionen und führt gesündere Menüs ein. 
  • 2008: Umstellung auf transfettfreie Frittieröle als Reaktion auf Gesundheitsbewegungen. 
  • 2018: McDonald’s kündigt an, bis 2025 weltweit nur noch recycelbare/verantwortungsvolle Verpackungen einzusetzen, stark vom Umweltbewusstsein der Konsumenten getrieben. 
  • 2022–2024 (Australien): Sprite wird durch Sprite Zero ersetzt (massive Beschwerden erzwingen Rückkehr zur klassischen Sprite nach 1 Jahr. 

Nestlé – Ethischer und ökologischer Druck  

  • 1977: Beginn des weltweiten Nestlé-Boykotts wegen aggressiver Babynahrungswerbung in Entwicklungsländern. 
  • 2018–2023: Wachsende Kritik an Shrinkflation (z. B. kleinere KitKat- und Milo-Packungen zum gleichen Preis) – Verbraucherproteste erzwingen mehr Transparenz. 
  • 2024: Umstellung der Quality Street-Verpackungen von Plastik auf Papier – von Umweltaktivisten gelobt, von Konsumenten wegen „verlorenem Weihnachtsgefühl“ kritisiert. 

Erste Erfolge durch Verbraucherverhalten: 

 

1. Trend zu pflanzenbasierter Ernährung (ab ca. 2018)

 

Was geschah:

Immer mehr Menschen entschieden sich für vegetarische oder vegane Produkte – nicht nur aus ethischen Gründen, sondern auch wegen Umwelt- und Gesundheitsaspekten. 

 

Auswirkung:

Die Industrie reagierte mit einem Boom an pflanzlichen Alternativen: vegane Burger, Milch auf Haferbasis, pflanzliche Joghurtvarianten. 

 

2019 stieg der Umsatz mit Fleischersatzprodukten in Deutschland um über 30 % im Vergleich zum Vorjahr. Stellt Euch nur vor! 30% weniger Fleisch entspricht einem Drittel weniger Tierleid!) 

 

 2. Nachhaltigkeitsbewusstsein und Regionalität (verstärkt seit 2020) 

 

Was geschah:

Die Corona-Pandemie führte zu einem Umdenken – Konsumenten wollten wissen, woher ihre Lebensmittel stammen.

 

Auswirkung:

Supermärkte und Hersteller setzten verstärkt auf regionale Lieferketten, transparente Herkunftsangaben und nachhaltige Verpackungen. 

 

 3. Personalisierte Ernährung & Gesundheitsfokus (Trendreport 2025) 

 

Was geschieht:

Verbraucher achten zunehmend auf individuelle Bedürfnisse – etwa Darmgesundheit, Blutzuckerfreundlichkeit oder proteinreiche Ernährung.

 

Auswirkung:

Die Industrie entwickelt funktionelle Lebensmittel mit gezieltem Zusatznutzen, z. B. fermentierte Produkte oder immunstärkende Snacks. 

 

Der Trendreport Ernährung 2025 zeigt, dass diese Entwicklung die Produktpalette stark beeinflusst und Innovationen fördert. 

 

 4. Verzicht auf Zusatzstoffe & Clean Label (seit ca. 2015) 

 

Was geschah:

Konsumenten begannen, Zutatenlisten kritisch zu hinterfragen.

 

Auswirkung:

Hersteller reduzierten künstliche Zusatzstoffe, Farbstoffe und Konservierungsmittel. „Clean Label“ wurde zum Verkaufsargument. 

 

Viele große Marken reformulierten ihre Produkte – etwa Nestlé, das 2016 begann, Zucker in Cerealien zu reduzieren.

  

Gemeinsam können wir etwas bewirken! 

 

Wenn zeitgleich genügend Konsumenten dasselbe Ziel verfolgen, dann haben sie gemeinsam Macht und Einfluss auf das Verhalten der mächtigsten Konzerne. 

 

Dadurch ist es uns möglich, diese Konzerne zu umwelt- und konsumentenfreundlicherem Verhalten zu bewegen. Das wird langfristig in mehreren Hinsichten gravierende Verbesserungen zur Folge haben. 

 

Diese Erfolge zeigen, dass unser Einfluss groß ist. Ein weiteres Feld, in dem wir viel bewirken können, ist die Verpackung 

 

Was es bringt, wenn wir uns auch noch gegen übermäßige Verpackung wehren: 

 

Jeder kennt das! Man kauft sich eine Schachtel mit Gemüse und stellt fest, dass die Packung teilweise nur bis zur Hälfte gefüllt ist. Mich ärgert das jedes Mal! 

 

An den oben aufgeführten Beispielen sehen wir, gemeinsam ist es uns möglich, diese Unsitten, die nur dazu da sind den Verbraucher absichtlich zu täuschen, zu unterbinden. 

 

Das würde sich nicht nur auf unseren Geldbeutel, sondern auch gravierend auf die Menge des Verpackungsmülls und   die durch Lebensmitteltransporte verursachten Co2-Belastung auswirken.  

 

Was Verpackungsreduktion bewirkt: 

 

Angenommen die Verpackungsgröße dürfte das Volumen des Inhalts nur um einen Zentimeter übersteigen. Das hätte grob hochgerechnet folgende Auswirkungen: 

 

Basierend auf den gefundenen Daten und der Erwähnung in der Springer-Studie könnte eine fundierte Schätzung für Lebensmittelverpackungen folgendermaßen aussehen: 

 

Einsparungspotenzial bei Lebensmittelverpackungen (1-cm-Regel)

 

Konservative Schätzung: 12-18% Materialreduktion 

 

Lebensmittelverpackungen sind oft funktional optimiert (Schutz, Haltbarkeit). Hier sind die Spielräume begrenzt. Aber es gibt erhebliches Potenzial bei bestimmten Kategorien. 

 

Kategorien mit höchstem Einsparungspotenzial: 

 

Süßwaren/Snacks: 

20-30% Reduktion möglich. Oft viel Leerraum in Chipstüten, Süßwarenboxen. 

 

Cerealien/Müsli: 

25-35% Reduktion möglich. Große Kartons mit erheblichem Leerraum. 

 

Tiefkühlprodukte: 

15-25% Reduktion möglich. Bei einem Markt von 48,7 Milliarden USD in 2024 (TheRoundup) 

 

Convenience Food: 

20-30% Reduktion möglich Fertiggerichte oft in überdimensionierten Schachteln 

 

Natürlich geht das nicht überall. Es gibt auch Lebensmittel die empfindlicher sind. Trotzdem kann auch hier noch gespart werden: 

 

Frischprodukte: 

5-10% Reduktion. Atmungsaktive Verpackungen nötig. 

 

Milchprodukte: 

8-12% Reduktion (Form meist durch Funktion bestimmt) 

 

Konserven: 

3-8% Reduktion. Bereits weitgehend optimiert. 

 

Gesamt geschätzte mögliche Einsparungen allein in diesem Breich:

(Hier sind die umfangreichen Einsparungen die durch konsequente Mehrwegsysteme bei Flüssigkeitsbehälter bestehen würden, noch gar nicht berücksichtigt!) 

 

Lebensmittelverpackungsmarkt:

 

Bei einem Marktvolumen von 394,7 Milliarden USD in 2024 (Capacity4dev) und einer geschätzten 15% durchschnittlichen Materialreduktion bei Lebensmittelverpackungen. 

 

Materialvolumen: 

15% weniger Verpackungsmaterial 

 

Wirtschaftlicher Wert: 

Etwa 60 Milliarden USD weniger Verpackungsmaterial 

 

Fazit: 

 

Die größten Chancen liegen bei standardisierten Trockenprodukten, während frische und empfindliche Lebensmittel weniger Optimierungsspielraum bieten. 

 

Und das Gute daran? 

 

Keiner von uns muss die Welt alleine retten. Die einen klären auf, die anderen nehmen da Einfluss wo es ihnen leichtfällt! Jeder tut etwas. Grad so viel wie er kann und will, und trotzdem wird sich vieles ändern! 

 

Gemeinsam sind wir keine Opfer, sondern Kunden und Auftraggeber! 

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